Weltreise: Wie alles begann - Abschied, Brasilien und Island (01)

Seit unserem Sabbatjahr nach Südamerika 2015/16 überlegen wir, wie wir unser Leben nach meiner Pensionierung weiter gestalten wollen. Uwe hat sich eine Selbstständigkeit mit den Fotoreisen aufgebaut, unsere Kinder sind alle finanziell unabhängig von uns und solange die Gesundheit mitspielt, können wir eigentlich machen, was wir wollen. So entstehen verschiedene Pläne, die Welt noch einmal mit mehr Zeit zu bereisen.

Wir ersetzen in den Jahren unseren Rockhopper 1 durch Rockhopper 2, der viele unsere Ideen zur Verbesserung beinhaltet und uns jetzt schon wieder 2 ½ Jahre lang treue Dienste leistet. Unser Entschluss, noch mal auf Reisen zu gehen, wird weder von Covid noch vom Krieg in der Ukraine wirklich erschüttert. Dennoch müssen wir ständig umplanen.

Auch 7 Jahre gehen vorüber und irgendwann naht der 06.07.23, unser letzter Schultag!

 

Ich liege auf meinem Bett im Mathis Hotel auf Bali, habe einen wunderbaren Blick aus 384 m Höhe auf das Meer und genieße den regnerischen Tag. Endlich habe ich Zeit und Muße mit dem Schreiben des lange überfälligen Blogs zu beginnen.


10 Monate sind vergangen, seitdem wir frei von Schule sind. Diese Zeit ist offenbar nötig gewesen, um ein wenig Abstand zu unserem alten Leben zu bekommen und mit dem Blog schreiben beginnen zu können.

Viele Abschiede sind vorhergegangen. Freunde und Verwandte, Kollegen, treue Begleiter und Begleiterinnen über viele oder auch nur wenige Jahre – Menschen, die uns wichtig sind oder waren und selbst die, die uns manchmal genervt haben, heißt es zu verabschieden. Hobbys, die ja auch immer mit Menschen verknüpft sind, müssen beendet werden.

Ein großer Haushalt, der in unserem Haus fast 30 Jahre lang bestanden hat, muss aufgelöst werden. Jedes Teil wird überprüft, ob es noch aufgehoben, weggeworfen, verkauft, verschenkt oder mitgenommen werden kann. Dies kostet nicht nur viel Zeit, sondern auch viel emotionale Energie. An vielen Stücken hängen Erinnerungen, die natürlich hochkommen, wenn man sich wieder mit den dazugehörigen Dingen beschäftigt.

Aber wir haben es geschafft und sind bis auf wenige Möbel, viele Fotoalben und wenige Erinnerungsstücke sowie wichtige Papiere frei von sehr viel Ballast, den unsere Kinder nun auch nach unserem Tod nicht in die Hand nehmen müssen. Das klingt sicher für viele merkwürdig. Aber diejenigen haben ihre Elternhäuser noch nicht auflösen müssen, alle anderen haben sicher eine Idee, wovon ich spreche.

Uwe hat nun erstmal seine Fotoreisen nach Brasilien vor sich, während ich in Hamburg den Feinschliff ans Haus anlege, nochmal meine Töchter besuche und eine intensive Zeit mit 2 meiner Enkelinnen und meiner jüngeren Tochter an einem Mecklenburger See verbringe und schließlich das Haus an unsere Mieter übergebe.

Für Uwe, der sich ganz besonders auf das Ende seiner Schulkarriere gefreut und in der letzten Zeit die Tage mit Hilfe einer App gezählt hat, haben seine Söhne und seine Ex-Frau ihn am Hamburger Flughafen mit einem liebevoll gestalteten Plakat verabschiedet.

 


Brasilien

Dann fahre auch ich ins Pantanal nach Brasilien und verbringe die nächsten Wochen mit einer sehr netten Fotogruppe. Alles Denken und Tun konzentriert sich auf die Tierfotografie und die Gespräche darüber. Wir fühlen uns alle wohl und genießen die Zeit.


Fotos von den Pantanalreisen findest du in der Brasilien / Pantanal Galerie 😊


Nachdem wir auch noch in den Nordosten Brasiliens hochgefahren und dort eher Landschaften fotografiert haben, verbringen Uwe und ich noch ein paar Tage am Meer. Uwe kuriert seine Coronaerkrankung aus, die ihn nun doch für ca. 3 Tage erwischt. Aber ein wenig Kiten ist ihm dann noch vergönnt.


Fotos von der Lencoisreise findest du in der Brasilien / Lencois Galerie 😊


Wir besuchen brasilianische Freunde, die wir in unserem Sabbatjahr 2015/16 kennen und schätzen gelernt haben. Hier kann Uwe seine ersten, unter qualifizierter Beobachtung stehenden Erfahrungen mit Kiten in der Welle machen.


Island

Nach einer kurzen Pause in Hamburg, in der wir unseren Rockhopper für Island packen und meine Reisetasche, die in Lissabon stehen geblieben ist, mit viel Energie und Glück aus dem Hamburger Flughafen befreien können, geht es auf die Fähre von Hirtshals nach Seydisfjördur. Als wir diese Fähre vor ca. 10 Jahren das erste Mal genommen haben, schliefen wir, nach Geschlechtern getrennt, in jeweils einer 4er Kabine. Der Wohlstand ist gewachsen und wir gönnen uns eine Kabine mit großem Fenster ganz für uns allein. Glücklicher Weise ist die See glatt wie ein Babypopo und wir können schlafen, essen, lesen, und es uns ohne Probleme gut gehen lassen.

 


Auf Island haben wir fast nur Glück mit dem Wetter. Die Temperaturen sind warm bis moderat, der Wind fast immer eingeschlafen und der Regen wäscht uns diesmal nur sehr selten. Nachdem wir David Rouge auf einem Parkplatz kennen gelernt haben, beschließen wir, mit ihm zusammen ins Hochland zu fahren. Was für 3-4 Tage gedacht war, hält 3 Wochen, in denen wir gemeinsam unsere Autos austesten, Kaffee trinken, Englisch und Französisch sprechen, die Fotoapparate und vor allem die Drohnen zum Einsatz bringen.

Ich bin sehr stolz auf mich, dass ich das Fliegen mit der Drohne in relativ kurzer Zeit gelernt habe.


Die Tour durchs Hochland ist spektakulär. Es gibt Wege, die wir erst ablaufen. Sie sehen von unten so steil aus, dass wir überprüfen müssen, ob sie sich seitwärts neigen. Wenn unser Auto umkippen würde, hätten wir ein großes Problem. Manchmal fragen wir uns auch, ob wir den gleichen Weg zurückfahren könnten. Unser Rockhopper versteht unsere Ängste nicht. Er zieht jede Steigung in Ruhe und Gelassenheit hoch, klettert langsam, aber sicher über scharfkantige Steine und lässt sich von gar nichts aus der Ruhe bringen. Dafür sind wir sehr dankbar und genießen die Landschaften und die Weiten dieses wunderschönen Landes umso mehr.

 

Irgendwann Ende September, wir fahren inzwischen ohne David an der Südostküste entlang, halten wir am Hvalness Lighthouse. Wir gehen ans Meer herunter und bemerken, dass die Wellen des Meeres recht hoch sind. Mit der Zeit wird es immer windiger und wir stellen das Auto in den Windschutz des Leuchtturms. Der Wind nimmt zu und so langsam werden wir aufmerksam. Der Wetterbericht gibt eine beunruhigende Vorhersage. Uwe telefoniert mit Stefan Forster, der gerade nicht mehr auf Island ist. Er drängt uns, den Standort zu verlassen und uns in den Windschatten zu begeben. Wir steigen aus und werden vom Wind fast weggeblasen.  Die kurze Strecke vom Leuchtturm zur Straße erscheint uns schon zu gefährlich. Wir legen uns schlafen, kommen aber nicht wirklich zur Ruhe. Das Auto schaukelt, so dass Uwe auf die Idee bekommt, es mit einem Gurt am Leuchtturm festzuschnallen. Das lassen wir aber sein. Der aktuelle Windmesser der in der Nähe des Leuchtturms montiert ist, zeigt in der Nacht Böen mit knapp 12 Bft. (Orkan) an. 😳

Am Morgen hat der Sturm nicht nachgelassen, unser Auto steht noch. Der detaillierte Wetterbericht von vedur.is gibt aber an, dass es zwischen 8 und 9 Uhr eine Beruhigung in Richtung Westen geben soll. Beruhigung heißt in diesem Fall nur noch 8-9 Windstärken…. Wir fahren mit leicht bibbernden Herzen los. Unterwegs müssen wir die Schneise am Eskifell überqueren, wo der Wind eine gute Möglichkeit hat, uns zu erwischen. Aber es geht gut und wir stellen uns in Höfn in den Hafen, geschützt von 2 Industriehallen. Volle 2 Tage bläst der Sturm mit Spitzenwerten von 194 Stundenkilometern weiter. Ein Orkan (Windstärke 12) hat nur 118 km/h. Wir beobachten ein Hafenbecken, in dem große Fischtrawler liegen. Auch sie werden, genau wie die Fischkisten, extra festgemacht und von den Männern beobachtet. Wenn man über den Kai geht, muss man aufpassen, nicht ins Hafenbecken geweht zu werden.

Endlich ist der Sturm vorüber und wir können weiterfahren.

Auf dem Video sieht man das absolut windgeschütze Hafenbecken von Höfn 😊.


Die Rückfahrt mit der Fähre ist wieder sehr ruhig. Anfang November sind kaum noch Touristen auf dem Schiff und auch die Restaurants haben ihr Angebot eingeschränkt.

Über 43.000 Fotos schlummern größtenteils noch unbearbeitet auf meiner Festplatte vor sich hin.

Ein paar findest du aber dennoch in der „Island im Herbst Galerie“.

Wir haben nur 3 Tagen bevor es auf eine 2-monatige Scoutingtour nach Madagaskar geht.

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