Über die Widrigkeiten einer Verschiffung nach Südamerika (52)

Die Verschiffung beginnt lange, bevor wir den Rockhopper 2 in einem Hafen dieser Welt abgegeben haben. Alle, die dies schon einmal getan haben, wissen, wie viel Vorarbeit zu leisten ist, bis dieses Datum endlich feststeht.

Der erste Schritt ist es, sich zu überlegen, wohin man eigentlich will. Da viele unserer Ziele wie z.B. die Mongolei oder China leider nicht zu verwirklichen sind, haben wir uns wieder auf Südamerika geeinigt.

Uwe fährt dort zum dritten Mal in seinem Leben hin, ich immerhin auch schon zum 2. Mal. Wir haben beide gemischte Gefühle, aber sind natürlich trotzdem guter Hoffnung, dass wir uns auch diesmal gut auf den Kontinent einlassen können. Und wir haben so Vieles noch nicht gesehen!

Nach und nach werden die Details immer deutlicher. Wir werden mit Hapag Lloyd von Perth aus nach San Antonio in Chile verschiffen. Damit das Auto rechtzeitig Anfang August dort ist, müssen wir unseren geplanten Baliaufenthalt zweiteilen und zwischendurch mal kurz nach Perth fliegen, um das Auto startklar zu machen.

Als wir in Perth ankommen, steht das Auto bereit und wir können die letzten Vorbereitungen treffen. Auch wenn unsere Reifen noch gut in Schuss sind, bekommt er neue, da sie in Südamerika nicht zu kriegen sind. Einige Dinge, die wir voraussichtlich dort nur schwer oder gar nicht bekommen, sind bereits eingekauft. Z.B. haben wir bei Bunnings (Baumarkt)zwei neue Flyscreens für die Tür und mehrere Kokospakete für die Feststofftoilette eingelagert.

Nun geht es daran, alles Wichtige für Uwes Fotoreisen und meinen Aufenthalt in Deutschland einzupacken und nichts zu vergessen. Außerdem räumen wir im Auto fast alles um. Wertvolle Dinge wie Objektive, Autoradio und Musikbox werden in der Garage oder im Zwischenboden verstaut. Bei Licht betrachtet haben wir die Innenkabine fast leergeräumt. Schweren Herzens haben wir unser Zuhause dann in den Hafen gefahren und seinem Schicksal überlassen. Die Fotos dazu findet ihr im vorigen Blog „Verschiffung nach Südamerika, Urlaub auf Bali und Abschied von Australien (51)“.

Diesmal nutzen wir nicht Roll on – roll off, sondern eine Flat-Rack-Verschiffung. Dafür kommt das Auto auf eine Plattform, die an den Schmalseiten mit Stahlplatten gesichert ist. Das Auto selbst wird in eine Plane gehüllt, die es vor Wettereinflüssen schützen soll. Das Ganze wird nämlich unter Umständen ganz oben auf allen anderen Containern stehen. Der Vorteil daran ist, dass es niemanden interessiert, was in dem Auto ist. Es wird weder nach Gastanks noch nach Lithiumbatterien gefragt. Unser Gastank ist zwar leer und die Lithium-Eisenphosphatbatterien entzünden sich nicht, aber das müssen wir niemandem erklären. Außerdem bekommt niemand einen Schlüssel, so dass auch keiner in das Auto rein kann. Klingt beruhigend, ist es aber nach all den Horrorgeschichten, die man immer so über Verschiffungen hört, nicht wirklich.

Ankunft des Schiffes ist voraussichtlich der 6.8.26, so dass Uwe nach dem Ende seiner Fotoreise in Brasilien in Ruhe nach San Antonio fliegen und das Auto in Empfang nehmen kann. Einen Storage haben wir auch schon gefunden und alles scheint in trockenen Tüchern zu sein.

Aber wie das Leben so spielt, wird der Rockhopper das erste Mal in Singapur stehen gelassen. Dank eines AirTags im Innenraum wissen wir, wo sich unser Heim befindet. Uwe dreht ziemlich am Rad, als er sieht, dass das Schiff ohne unseren Liebling weiterfährt. Trotz vieler Gespräche und WhatsApps mit unserem australischen Agenten, können wir nichts daran ändern. Im Gegenteil, als der Rockhopper endlich auf dem Weg ist, wird er in China noch ein weiteres Mal stehen gelassen. So verzögert sich die Ankunft mehr und mehr und endlich am 1. oder 2.September soll er ankommen. Leider muss Uwe zu dieser Zeit schon fast wieder in Vietnam sein, so dass ich jetzt in den sauren Apfel beißen und nach Südamerika fliegen muss. Ganz ehrlich! Das hat nicht nur viel Geld gekostet, sondern auch extrem genervt. Ändern können wir es trotzdem nicht.

Nun heißt es schnell eine Vollmacht von Uwe an mich in Hamburg vom Notar beglaubigen zu lassen und dafür auch noch beim Landgericht eine Apostille zu beantragen. Glücklicherweise gelingt uns dies während Uwes kurzen Deutschlandaufenthaltes. Um ein Auto zeitlich befristet in ein Land einzuführen, muss derjenige, der es übernimmt, entweder der Besitzer oder ein bevollmächtigter Mensch sein, der seinen Wohnsitz im Ausland hat.

Gemeinsam verbringen wir meinen Geburtstag in Hamburg mit einem schönen Frühstück im „Café Paris“ in der Innenstadt und einem sehr leckeren Abendessen im „The George“. Abschließend gönnen wir uns einen gepflegten Cocktail. Am nächsten Tag eiern wir in Berlin mit meinen Töchtern und Enkelinnen weiter und ich genieße es sehr, auch mal wieder im Kreise meiner Kinder zu sein.

Statt der 68 Tage, die die Verschiffung dauern sollte, war das Auto erst nach 98 Tagen in San Antonio. So bin ich am 2. September in Hamburg in den Flieger gestiegen und nach Santiago geflogen. Als ich dort ankomme, verzögert sich alles noch wieder um einen Tag, so dass ich den Flug etwas verdauen kann.

Am Freitag fahre ich dann mit einem Uber nach San Antonio und treffe unseren Agenten Ronny, der seit Ewigkeiten in Chile lebt, aber Deutscher ist. Er kennt sich gut aus und kommuniziert mit all den Leuten, die wichtig sind. Glücklicherweise klappt jetzt alles gut. Zwar geht es langsam voran, aber abends um halb sieben, kurz vor dem Dunkel werden, kann ich unseren Rockhopper völlig unversehrt und mit gültigen Papieren aus dem Hafen fahren.

Während der ganzen Tour hatte ich mir immer vorgestellt, wie ich unser Zuhause auf dem Campingplatz in der Nähe des Flughafens in Santiago abstelle und ein Foto von ihm mache. Als ich das geschafft habe, falle ich erschöpft aber sehr erleichtert ins Bett.

Obwohl ja alles erledigt ist und ich in einem ganz und gar heilen Auto bin, schlafe ich extrem schlecht. Die Nacht ist sehr kalt und mir wird einfach nicht warm. Um 5 Uhr morgens beschließe ich aufzustehen und alle kleinen Dinge, die auf meiner inneren Liste stehen, zu erledigen. Um 6 Uhr parke ich das Auto um und frühstücke die Kekse, die ich im Auto vergessen hatte und die den Zoll gar nicht gestört haben. Zum Glück kommt der Uber pünktlich und die Fahrt zum Flughafen dauert nur 20 Minuten. Ich bin noch nie so erschöpft und mit so einer leeren Tasche geflogen.

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