Quer durch Patagonien

123. - 131. Reisetag (15.11. - 23.11.2015)

In Puerto Deseado erleben wir wieder einmal, wie versucht wird, Touristen Geld aus der Nase zu ziehen. Wir brauchen dringend eine Wäscherei. Bei Darwins Expedition erhalten wir eine Adresse, die wir auch anfahren. Leider ist Samstag und bei den Mittagspausen hier im Land fahren wir gegen 17:00 Uhr dorthin. Wir fragen, was eine Maschine mit Trocknen kosten würde. 250 ARS lautet die Antwort, und das frühestens am kommenden Montag. Wir sind schockiert. So teuer, also ca. 15€ nach dem Bluedollarkurs, war das Waschen für uns noch nie. Irritiert gehen wir ein paar Häuser weiter, wo wir noch eine zweite Wäscherei entdeckt haben. Dort möchten sie 90 ARS haben, was zwar kein Superangebot, aber erschwinglich scheint. Hat die andere Wäscherei mal kurz die Preise erhöht, als sie gesehen haben, dass wir aus Europa kommen? 

Viel erfreulicher und wirklich spannend ist am nächsten Tag die Tour zur Pinguininsel. Sie kostet zwar 1200 ARS (72,- €) pro Person, ist aber jeden Pesos wert. In einem Zodiak fahren wir in einer Gruppe von 18 Touristen hinaus aufs Meer. Es ist frisch aber recht windstill, das Meer fast glatt. Zuerst halten wir in die der Nähe einer Insel, die von Seelöwen bewohnt wird. Die Tiere liegen in Gruppen jeweils um ein großes Männchen mit Mähne herum. Die Jungtiere spielen und wuseln, während die Erwachsenen sich auf dem Felsen aalen. Anschließend geht es auf die Pinguininsel. 


Wir landen an, was schon nicht ganz einfach ist. Routiniert hilft Roxanna, die Touristenführerin, allen Passagieren an Land. Gleich zu Beginn sehen wir eine Kolonie von grauen Kormoranen. Uwe und zwei andere deutsche Fotografen bleiben  eine Weile da und fotografieren, während der Rest der Mannschaft sich zu einer kleinen Hütte bewegt, um die Schwimmwesten und anderes Überflüssige dort zu parken. Nun bewegen wir uns auf die Magellanpinguine zu. Sie nisten auf dem Boden, ein Partner brütet, während der andere im Meer nach Futter sucht. Sie wechseln sich ab. Die Tiere lassen sich von uns Menschen überhaupt nicht aus der Ruhe bringen. Nur wenn man ihnen fast ins Nest tritt, reagieren sie, indem sie einfach weggehen oder mit dem Schnabel nach einem schnappen. Dies ist aber gar nicht nötig, da sie einem einen vollständigen Einblick gewähren. Sogar als Roxanna ein gerade geschlüpftes Junges entdeckt und alle darum herum hocken, bleibt das Elterntier ganz entspannt. Ein Stück weiter auf der Insel treffen wir auf eine große Kolonie Felsenpinguine. Diese witzigen kleinen Gesellen lassen sich ebenfalls fotografieren, ohne unruhig zu werden. Lange sitzen wir um die Tiere herum und die Fotoapparate stehen nicht still. Von drei verschiedenen Positionen aus können wir sie beobachten. Es ist wirklich zu putzig, ihnen zuzuschauen. Zum Abschluss der Tour schleichen wir uns noch an eine Seelöwenkolonie heran. Alle bewegen sich geduckt, um die Tiere nicht zu erschrecken. So gelingt es, sie lange zu beobachten.

Nach dem Lunch ist noch ausreichend Zeit, die Magellanpinguine, die vom Wasser kommen, auf ihrem langen Weg zum Nest zu sehen und etliche Fotos zu schießen. Die Rückfahrt wird dann etwas ungemütlich, da der Wind deutlich zugenommen hat. Das Zodiak bewegt sich heftig auf und ab und der Schiffsführer vermeidet es durch einen geschickten Zickzackkurs direkt gegen die Wellen zu fahren, um uns das Leben nicht allzu schwer zu machen. Alle halten sich an den Bändern am Rücken fest, die Kapuzen schützen die Ohren nur zum Teil vor dem heftigen Wind. Nach über einer Stunde erreichen wir durchnässt und erschöpft, aber glücklich das Häuschen von Darwins Expedition, an dessen Seite wir in beiden Nächten gestanden haben.

Nachdem am Montag unsere Wäsche von der preiswerten Wäscherei gewaschen und getrocknet in unserem Schrank liegt, der Blog hochgeladen und der Einkauf erledigt ist, machen wir uns auf den Weg zum Nationalpark Monte Leon.

Wir fahren auf der Schotterstraße Nr.47, die uns die Weite von Patagonien noch einmal sehr deutlich macht. Entfernungen kann man einfach nicht einschätzen, weil am Straßenrand nichts ist, was einen Anhaltspunkt bietet. Häufig sieht man Guanakos, die mit Leichtigkeit und Eleganz über Zäune springen. Die Pampashasen, ein zu groß geratenes Meerschweinchen und für uns eine Mischung aus Kaninchen und Hasen, hüpft dauernd über die Straßen. Glücklicherweise haben wir bisher noch keins erwischt. Die Straße ist für uns fahrbar, obwohl das Geruckel auf Dauer schon ein wenig nervt. Der Rest der Strecke geht dann auf der 3 weiter. Wir schaffen es an diesem Tag nur bis Piedra Buena, wo wir dank der IOverlander App einen ruhigen Schlafplatz finden. Am nächsten Morgen schauen wir uns den Ort noch kurz an und sind ganz überrascht, denn er gefällt uns gut. Die Häuser sind gepflegt und sehen ein wenig kolonial aus. Die Straßen sind breit und wirken dadurch großzügig. Das Bahnhofscafé ist morgens um 8 Uhr schon geöffnet und bietet ein gut funktionierendes Internet, was wir bei einem Café con Leche und einem süßen kleinen Croissant ausgiebig nutzen.

Gegen 10 Uhr stehen wir dann vor dem verschlossenen Tor zum Nationalpark Monte Leon. Was soll das denn? Auf dem Schild steht, dass wir 6 km zurückfahren sollen? Da wir keine Wahl haben, kehren wir um. Der Ranger erklärt uns, dass der Regen die Straßen aufgeweicht hat und wir in 3 bis 5 Stunden vielleicht dorthin können. Wir fügen uns unserem Schicksal und warten und haben Glück: Nach 3 Stunden dürfen wir los.


Der Park ist landschaftlich sehr schön, da er im Binnenland schön geformte Hügel und an der Steilküste interessante Felsformationen hat. Diese bestehen aus sehr weichem Material, das bei Regen sehr glitschig wird. Der Zeltplatz liegt direkt an der Küste und bietet bei Wind ein wenig Schutz. Es gibt dort eine bewirtschaftete Caféteria und  etliche Stellplätze. Dafür zahlt man 180 ARS (ca. 11,- €). Wir stehen dort zwei Nächte lang. Eigentlich wollen wir länger bleiben, aber die Regeln des Nationalparks machen es uns schwer.

Am ersten Abend möchte Uwe die Vogelkolonien, die auf der direkt vor der Küste liegenden Felseninsel brüten, im Sonnenuntergang fotografieren. Dafür geht er an der Steilküste entlang, entfernt sich also vom Weg. Es dauert niht lange, bis ein Ranger ihn zurück pfeift. Uwe ist etwas irritiert und erklärt dem Ranger, dass die Guanakos den Boden sogar mit 4 Füßen betreten und zusätzlich das wenige grüne Gewächs dort auch noch fressen. Daraufhin lenkt der Ranger ein und weist ihn darauf hin, dass er die Steilküste herunterfallen könne. Lässt ihn aber im Endeffekt weiter gehen....

Die Pingiuinkolonie des Parks enttäuscht uns sehr. Wir müssen auf einem vorgeschriebenen Weg 2 km dorthin laufen, was wir ja gern tun. Überall wird vor dem Puma gewarnt, der sich dort regelmäßig kleine Pinguine holt. Deshalb darf man sie auch nur von 9 bis 17:00 Uhr besuchen. Für einen Fotografen also eine Höchststrafe, denn das Licht ist im Sommer nun mal von 5:30 bis 7:00 Uhr und von 19:00 bis 21:00Uhr am besten. Einen Puma live erleben zu dürfen ist sicherlich nicht ungefährlich aber natürlich erst recht reizvoll. Nun, hier wird es das nicht geben! Die Kolonie ist mit Drahtzäunen abgesperrt und wir sehen nur sehr wenige der Magellanpinguine.

Am zweiten Morgen stehen wir sehr früh auf, um die Vogelinsel mit der Drohne zu filmen. Der Ranger wird um 5:00 Uhr sicher noch fest schlafen. Wir lassen die Drohne mit dem ersten Akku starten. Doch was ist das? "Noch 10 Sekunden bis zur Landung!" - Mit Mühe bekommt Uwe das Flugobjekt auf unserer Seite der Steilküste gelandet. Fast wäre der Kopter ins Meer gestürzt?!? Wie kommt das? Der Akku war mit 67% geladen, war das zu wenig? Oder sind die 1°C Schuld, die das Thermometer anzeigt? Der 2. Versuch scheitert ebenfalls. Hier wird uns etwas mehr Zeit gegönnt und wir sind ja auch vorgewarnt, aber filmen können wir trotzdem nicht. Einen Akku laden wir noch mal nach und dieser Flug gelingt. Wie schön! Dennoch verlassen wir den Nationalpark etwas enttäuscht und genervt. So eine schöne Einrichtung, in der wir uns nur gegängelt und eingesperrt gefühlt haben. Schade! 

Einige der Regeln kann man ja nachvollziehen, wenn es viele Besucher gibt. Dieser Park hat in der Zeit, in der wir dort sind, aber pro Tag höchsten 10 Gäste zu verzeichnen. Die meisten Overlander, die wir kennen, fahren einfach vorbei.

Kurz vor dem Parkausgang laufen 3 Füchse vor dem Auto über die Straße. Stopp! Genauer gesagt sind es nur die Elterntiere, die links rüber laufen. Das Junge dreht um und verschwindet im Gebüsch am Straßenrand. Wir stoppen schnell und Uwe holt das 500er Objektiv von hinten. Er legt sich auf die Lauer und hat die Gelegenheit, einen Fuchsbau mit 5 Jungen zu beobachten. Da er so relativ weit weg sein kann, kommen die Alten nacheinander zurück, die Fehe säugt die Jungen, das Männchen bringt eine Maus, die Kleinen spielen in der Sonne. Ein einmaliges Erlebnis!

Nun geht es weg von der Küste, die wir seit einigen Monaten entlang fahren. Quer durchs Land nutzen wir die Ruta 9, eine Schotterstraße, die uns die unendliche Weite Patagoniens wieder vor Augen führt. An manchen Stellen liegen vereinzelt Estancias (Farmen) mit mehreren Gebäuden an die wenigen Hügel geschmiegt. Das sieht sehr romantisch aus, ich befürchte aber, dass das Leben dort recht hart ist. Nach etlichen Stunden gelangen wir nach El Calafate, einem Touristenort am Largo Argentino. Von hier aus fährt man in den Nationalpark Los Glaciares. Der Ort ist sehr geschäftig, fast jeder scheint ein Tourist zu sein. Funktionskleidung und Andenken in jeder Form sind in den zahlreichen Geschäften zu erwerben, aber auch Supermärkte und Tankstelle sind vor Ort. Wir übernachten auf dem teuren Campingplatz mitten im Ort für 280 ARS (ca. 17,- € für einen niht gerade schönen Platz), wo wir immerhin Internet und ein gutes Restaurant auf dem Gelände haben. Letzteres nutzen wir gemeinsam mit den niederländischen Bremachfahrern Mareike und Atte. Wir tauschen uns über unsere Reiseerfahrungen, die kleinen Missgeschicke des Alltags und das Leben an sich aus.

Mittags geht es dann auf einer guten Asphaltstraße in den Nationalpark. Der berühmte Gletscher Perito Moreno erwartet uns. Am Eingang müssen alle, die nicht aus einem Merco Sur Land kommen, einen erhöhten Eintritt von 260 ARS pro Person zahlen. Ein Argentinier kommt für 160 ARS hinein. Weshalb das so ist, leuchtet uns nicht ein. Selbst ausländische Studenten müssen den vollen Preis zahlen. Wenn wir auf einem der 60 km weit entfernten Campingplätze übernachten, wird uns der Eintritt für den zweiten Tag erlassen. Ob die 120 km Fahrt mit ihrem Benzinverbrauch ökologisch betrachtet für den Park so wertvoll sind, wissen wir nicht. Aber vielleicht findet sich mal jemand, der das durchrechnet.

Der Gletscher selbst ist wirklich beeindruckend. Er gehört zu einem gigantischen Eisfeld von 22.000 qkm und erstreckt sich mit 4 km Breite und ca. 60 m Höhe vor den Besuchern des Parks. Auf einer 4 km langen Wegführung kann man ihn auf verschiedenen Höhen bewundern und der Eindruck ist jeweils unterschiedlich. Besonders beliebt sind die Eisabbrüche. An den Kanten des Eisfeldes brechen immer wieder verschieden große Eisstücke ab und fallen in den Lago Argentino. Wenn man den Abbruch hört, ist es meist zu spät. Hier erlebt man hautnah, dass der Schall langsamer ist als das Licht. Wenn man das Kalben sehen will, muss man geduldig warten und auf die richtige Stelle gucken.


Der Gletscher wächst täglich um 2 m  in der Mitte und an den Kanten um 40 cm, durchschnittlich also um einen Meter pro Tag! Der Perito Moreno ist einer der wenigen Gletscher auf der Welt, die noch wachsen, während die meisten anderen abschmelzen.

Die Öffnungszeiten von 8 bis 19 Uhr sind fotografisch betrachtet wieder schwierig. Ich schrieb bereits darüber. So sind die Fotos, die wir zwischen 18:30 und 19:30 Uhr machen, die besten. Wir stellen nämlich am ersten Abend fest, dass die Schließung des Parks eher eine Farce ist. Kein Mensch kontrolliert, ob man den Park verlässt. So sind wir am zweiten Abend viel entspannter und fotografieren, bis wir den Eindruck haben, dass es genug ist. 

Am ersten Abend fahren wir die 60 km bis zum Campingplatz, der umsonst ist. Von der Straße aus sieht man keinen einzigen Camper, nur Bäume. Erst als wir auf den Platz fahren, bemerken wir auch andere Gäste. Wir haben von unserem Platz aus einen super Blick auf die mit Schnee bedeckten hohen Berge des Nationalparks und eine ruhige, windstille Nacht. Am nächsten Morgen sind wir gegen halb acht am Tor zum Park. Da wir auf dem Campingplatz keinen Ranger angetroffen haben, hat Uwe von unserem Auto und dem Schild des Platzes ein Foto gemacht, was von den Mitarbeitern des Parks auch akzeptiert wird. So sind wir auf dem oberen Parkplatz die ersten Gäste und lassen gleich den Kopter fliegen. Es ist völlig windstill, so dass das ohne Probleme geht. Nach dem zweiten Flug werden wir von einer Rangerin zurecht gewiesen, die uns auf ein Verbot aufmerksam macht, das wir nirgends gelesen haben. Etwas genervt packen wir zusammen. Ein russischer Tourist erzählt uns dann noch, dass die Dame seine Reiseleiterin und gar keine Rangerin ist. Naja, da haben wir uns umsonst geärgert! Wir gehen auf den langen Wegen ein Stück weiter und kommen in eine unbesuchte Region, in der wir die 3. Flugtour ungestört hinter uns bringen können. So hat Uwe jetzt einiges an Filmmaterial, was er später sicher gern zeigen wird. Tagsüber beobachten wir den Gletscher und versuchen, ihm beim Kalben zuzusehen. Es gelingen uns einige schöne Film- und Fotoaufnahmen, so dass wir insgesamt ganz zufrieden von dannen ziehen.

Am Abend finden wir uns wieder auf dem Campingplatz ein, der einfach wunderschön ist. Wir bleiben hier noch einen Tag und genießen die traumhafte Landschaft. Da Sonntag ist, kommen gegen Mittag viele argentinische Familien zum Grillen und Spielen hierher. Ab 19 Uhr ist wieder Stille und den Sonnenuntergang genießen wir gemeinsam mit Sarah und Simon aus Deutschland bei einem netten Plausch.

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