Moskitos, Frösche und Papageien - Abenteuer im Regenwald

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316. - 327. Reisetag (26.05. - 06.06.2016)


Regen, Schwüle, Gewitter, Mückenstiche und Ameisenbisse, Frösche und Spinnen in der Nacht, Anacondas, Affen, Flussdelfine und Reiher am Tag - all dies zeichnet unsere Regenwaldtour aus.....

Wieder zu zweit begeben wir uns auf den Weg in neue Abenteuer, virtuell treu begleitet von Caro und Henry, die sich mindestens einmal täglich per Internet bei uns melden.

Die Tour nach Rurrenabaque ist gute 400 km weit und geht über einen Pass von 4700m runter bis 230m. Lang schlängelt sich La Paz durch die Berge bis man nur noch in der Landschaft ist und sich in den steil abstürzenden Bergen befindet, die überwiegend grün sind. Wir kommen an dem Parkplatz vorbei, auf dem viele junge Touristen mit Mountainbikes und Fahrradschutzkleidung ausgestattet werden, um sich auf die viel besprochene einspurige Todesroute zu begeben, bei der man 2000 Höhenmeter bergab fährt, dabei durchaus in der Gefahr steht etliche hundert Meter in die Tiefe zu stürzen, ansonsten aber herrliche Aussichten in die Berglandschaft hat. Uwe bekommt bei ihrem Anblick auch noch Lust, die Tour zu machen. Ich verzichte lieber!


Jetzt nehmen wir die relativ neu ausgebaute Asphaltstraße, die die Todesroute schon allein dadurch entschärft, dass die meisten LKW jetzt dort fahren. Der Ausblick ist herrlich, die Straße okay. Spannend wird es erst, nachdem die Straße hoch nach Coroico abgegangen ist. Plötzlich setzt der Asphalt aus, es wird holprig, die Spur manchmal sehr eng. An einigen Stellen ist die Straße gerade mal einspurig, daneben geht es steil bergab, eine Befestigung der Straße oder etwas Ähnliches wie eine Leitplanke gibt es nicht. Man sieht, wie der Regen Teile der Straße weggespült hat. Die Bolivianer fahren hier sehr entspannt und routiniert. Sie warten geduldig, bis der Gegenverkehr durch ist, helfen, wenn jemand nicht weiter kommt und sind stets freundlich. Natürlich gibt es auch hier die Testosteron gesteuerten jungen Männer, die wie die Geisteskranken mit ihrem Auto über die Straßen jagen, aber die echten Herausforderungen lassen sie tatsächlich auch etwas vorsichtiger werden. Nachdem der Aspahlt also immer wieder unterbrochen wird, gibt es ihn bald gar nicht mehr. Die Kilometer ziehen sich dahin. 15 bis 20 km/h sind unsere Durchschnittsgeschwindigkeit. An diesem Tag ist der Teil der Straße, der sonst wegen Bauarbeiten tagsüber gesperrt ist, geöffnet. Wir wollen unbedingt dort durch, damit wir am nächsten Tag ungestört weiter fahren können. So sind wir bis zur Dunkelheit gegen 18:30 Uhr unterwegs und halten dann einer Tankstelle für die Nacht an. Die letzten 100 km sind tatsächlich asphaltiert. Wir sind begeistert und fahren neugierig nach Rurrenabaque ein.

Rurrenabaque ist ein kleiner Ort, der sehr geschäftig und touristisch ist. Es wimmelt nur so von fliegenden Händlerinnen und kleinen Geschäften. In einer Straße reiht sich ein Automechniker an den nächsten, eine Reifenflickerei und viele Autowäscher sind dort ebenfalls zu Hause. Auf der Suche nach unserem Touranbieter, den wir schon von La Paz aus gebucht haben, finden wir eine französische Bäckerei, die wirklich leckere Brötchen, Croissants und andere kleine Schweinereien anbietet. Direkt daneben können wir im Büro von Mashaquipe die Abfahrtdaten und Bedingungen besprechen. Um unseren Führer kennen zu lernen, sollen wir nachmittags um 17:00 Uhr wieder kommen. 

In 10 Minuten Entfernung befindet sich ein Campingplatz und ein schönes kleines Hotel hoch über dem Ort gelegen mit einer wunderschönen Aussicht. Er soll einem Schweizer gehören. Der Besitzer ist im vergangenen Jahr bei einem Autounfall ums Leben gekommen und seine Tochter Jara führt den Betrieb jetzt vorüber gehend weiter. Sie bringt alles in Schuss und hofft, dass ihr Verwalter die Geschäfte während ihrer Abwesenheit gewissenhaft weiter führt. Wir fahren auf einer steilen Auffahrt über trockene Steine nach oben. Teilweise zeigen uns tiefe Rinnen im Sand, dass die Fahrt bei Regen kein Spaß ist. Oben angekommen weist uns Pepe, der zukünftige Verwalter, einen schönen Platz zu. Der Swimmingpool ist in erreichbarer Nähe und die feuchte Hitze, die uns ein wenig den Atem nimmt, kann dort bei angenehmer Temperatur abgekühlt werden. Wir richten uns hier ein und sind froh, angekommen zu sein.

Der Spaziergang ins Dorf am Nachmittag zeigt uns die Armut, die vielfach in Bolivien herrscht. Viele Menschen leben in einfachsten Bretterverschlägen ohne Fenster, halten sich meist im Freien auf. Die Erde ist festgestampft und trocken. Der Staub wirbelt herum. Fast überall liegt Müll, der nur wenige Menschen zu stören scheint. Hühner, Schweine und Hunde laufen fast überall herum. Auf den Straßen knattern die vielfältigen Zweiräder besetzt mit mindestens zwei, oft auch vier Menschen. Es gibt natürlich auch viele Häuser, deren Standard aber weit von unserem entfernt ist. Auch wenn wir schon so lange in Südamerika unterwegs sind, erscheint es mir hier am ärmsten zu sein.

Bei der Agentur angekommen, entschuldigt sich einer der Mitarbeiter dafür, dass wir leider vergeblich hier sind, da der Guide einen Job habe und nicht kommen könne. Das habe er am Morgen vergessen. Mit der uns inzwischen eigenen Gelassenheit schütteln wir den Kopf und nehmen die neue Verabredung für den nächsten Tag an.

Zurück im Rockhopper werden wir von einer unvorstellbaren Flut Mücken und anderen Stechtieren heimgesucht. Schnell machen wir das Bett, breiten das engmaschige Moskitonetz darüber aus und verstecken uns dort. Während der Nacht erleben wir heftige Gewitter mit kräftigen Regenschauern und stellen uns vor, wie sich die Abfahrt vom Gelände zur Rutschbahn entwickelt. Am nächsten Morgen besteht Uwe darauf, die Überlebenden gefühlt 300 Mücken mit Hilfe eines Insektenraumsprays zu eliminieren. Ich gehe so lange raus, wohl wissend dass ich auch noch einige Spuren davon einatmen werde. Wir versuchen ein Taxi für unseren Dorfbesuch zu bekommen, aber niemand fährt mit einem PKW die Auffahrt hoch, wenn es geregnet hat. So greifen wir uns unsere Schirme, ziehen Flip-Flops an und marschieren los.

Mit Ismael lernen wir einen intelligenten und wirklich erfahrenen indigenen Guide kennen. Er spricht auch ein wenig Englisch, wird aber meist Spanisch mit uns reden. Uwe kann sich inzwischen fließend mit ihm unterhalten, während ich zwar viel verstehe, mich aber immer noch nicht ausdrücken kann. Insgesamt kommen wir so gut zurecht, zumal Ismael im Zweifelsfall fast immer noch einen anderen Weg findet, uns etwas deutlich zu machen.

Am nächsten Tag geht unsere Tour los. Auf einem Moped wird Uwes schwerer Fotorucksack von einem Mann transportiert, der gleichzeitig auch noch unsere superschwere Reisetasche zieht. Er fährt allerdings nicht, sondern sitzt hinten. Wir gehen die 500m zu Fuß. Das Boot ist aus Holz, hat ein Plastikdach und ist lang und schmal. Mit 11 Leuten und Gepäck ist es gut belegt. Der Außenbordmotor tuckert und wir werden 4 Stunden flussaufwärts fahren. Eine längere Pause machen wir auf einem idyllisch erscheinenden Bauernhof am Flussufer. Dort steht auf Stelzen ein Wohnhaus aus Holz, Apfelsinen-, Pomelo- und Mandarinenbäume spenden viel Schatten. Hühner und Schweine laufen auch hier herum. Der Kochherd steht mitten drin, das Feuer darunter wird gerade angeheizt. Am Rand des gefegten Bodens befindet sich eine Zuckerrohrpresse. Aus dem Saft werden Honig, Bonbons oder Schnaps hergestellt. Hinter einem Zaun stehen ein paar Rinder und ein Pferd. An der einen Seite befindet sich ein Beet mit Ananaspflanzen, an der anderen Seite wird das Zuckerrohr angepflanzt. Der Fluss überschwemmt das Gebiet regelmäßig, so dass es offenbar fruchtbar bleibt. Wir lutschen eine Pomelo aus, essen eine saftige Apfelsine und kauen auf Zuckerrohr rum. Es ist wirklich sehr süß. Dann werden Zuckerrohrstangen in die Presse geschoben und drei Männer bewegen die große Presse. Der Saft wird in einem Eimer aufgefangen und anschließend mit frischer Limone verfeinert als Limonade getrunken. Sehr lecker!


Um in die Lodge zu kommen, müssen wir erst eine Strecke über das ausgetrocknete Flussbett zurücklegen. Noch im März war der Wasserstand bestimmt 3m höher. Dann geht es bergauf, vorbei am Schlafsaal der Mitarbeiter zu den Häusern der Lodge. Hier stehen überall hohe Bäume und die Luft ist sehr feucht und warm. Unser Schlafraum hat ein großes Doppelbett und einen kleinen Tisch, auf dem man seine Elektrogeräte ablegen kann, wenn man sie abends zwischen 18 und 22:30 Uhr auflädt. Dies ist die einzige Zeit, zu der es Strom gibt. Das Essen wird im Speisesaal serviert. Es ist schmackhaft, wirft uns aber nicht so um, wie viele der Kommentatoren auf Tripadvisor. Nachmittags machen wir unseren ersten kleinen Spaziergang durch den Regenwald hinter der Lodge. Da es bedeckt und regnerisch ist, hat sich die Tierwelt auch zurück gezogen. Ismael hört jedoch einen Affen. Und wirklich - viele Meter über uns sitzt ein roter Brüllaffe in der Baumkrone. Wir strecken unsere Hälse nach oben, Uwe baut sein Stativ auf und befestigt die Kamera mit der 500er Linse und dem Konverter. Es ist anstrengend immer so weit nach oben zu schauen. Tatsächlich gelingen einige Bilder, für das 300er auf meiner Kamera ist das Tier jedoch zu weit entfernt.

Nach dem Abendessen gehen wir im Stockfinstern auf Froschsuche. Das ist mühsam, gelingt aber. Der Frosch stellt sich nach kurzer Zeit tot, so dass die Bilder von ihm auch wirklich so aussehen. Wir machen uns auf den Rückweg und gehen früh ins Bett. Das fühlt sich allerdings an, als ob man von einem nassen Handtuch, dass zusätzlich in der Waschmaschine vergessen wurde, empfangen wird. Wir haben von der viel gepriesenen Lodge ein klein wenig mehr erwartet.

Den nächsten Morgen verbringen wir mit der Fotografie von kleinen Dingen. Ein Schmetterling auf einer Blüte hat es uns angetan. Leider verschwindet er immer wieder, so dass Uwe sich eine Ameise auf einer Blüte als nächstes Ziel aussucht. Diese Bullet Ant ist ganz schön bissig, so dass Ismael uns eindringlich vor ihr warnt.  Ich beschäftige mich mit einem kleinen Falter und siehe da, der Vormittag ist um. 


Als nächstes fahren wir ein wenig weiter den Fluss aufwärts und laufen ein kurzes Stück zu einem Aussichtspunkt für Papageien. Mit viel Aufwand wurde er im letzten halben Jahr gebaut und vor 2 Monaten fertig gestellt. Die Gebäude dafür sind schön geworden, mit Toiletten und Duschen. Solartechnik und Leuchten wurden angebracht. Es gibt lange hölzernen Laufstege, damit man gut durch den Urwald kommt. Das Problem ist nur, dass das alles seitdem nicht gepflegt wird. In den Klos übernachten die Fledermäuse, deren Dreck sich inzwischen mehrere Zentimeter hoch stapelt, alles ist mit abgestorbenen Pflanzenresten bedeckt, die Laufstege wachsen von den Seiten her wieder zu. Es ist wirklich traurig zu sehen, wie hier Steuer- oder Spendengelder verrotten.

Aufgrund des Baulärms sind wohl viele der Papageien abgezogen. Wir beobachten 2 Paare und einige einzelne Tiere, die aber nur wenig Aktivität zeigen. Der Weg durch den Urwald zum Campinglager dauert ungefähr 40 Minuten. Kurz vor dem Dunkelwerden kommen wir dort an. 

Nach dem Abendessen gehen wir noch mal zurück in den Urwald. Hier soll es auch Frösche und Spinnen geben. Ismael lässt uns an einer Stelle im Dunkeln stehen und biegt selbst in den zugewachsenen Wald ab. Wir hören ihn, wie er mit seiner Machete den Durchgang frei schlägt. Nach einer Weile ruft er uns zu sich. Wir klettern hinterher und sehen tatsächlich einen Baumfrosch, der knallgrün auf einem Baum hockt und sich nicht rührt. Er guckt mit großen Augen, reagiert aber weder auf Licht noch auf Berührung. Ich halte die Taschenlampe und Uwe fotografiert. Plötzlich wird Uwe linkes Handgelenk dick und tut weh. Eine rote Einstichstelle zeigt, dass da jemand war. Noch ist der Frosch interessanter und dann folgen wir Isamels Ruf. Da der Boden nass und glitschig ist, halte ich mich spontan an einem Baum fest, als ich drohe wegzurutschen. Mit einem Satz ist Isamel neben mir, spricht auf Spanisch auf mich ein und klopft mich ab. Ich habe mich an einem Baum festgehalten, der eine symbiotische Beziehung zu roten Ameisen hat. Sie krabbeln den ganzen Stamm rauf und runter. Leider haben sie mich auch gebissen. Zum Glück nur eine oder zwei von ihnen. Auf Ismaels Anraten hin, halte ich den beißenden Schmerz 5 Minuten lang aus, ohne mich zu reiben oder zu kratzen. Und, siehe da, der Schmerz lässt nach. Ich merke später nichts mehr davon. Ab fünf oder sechs Bissen ist der Schmerz wohl höllisch. Die kleinere Menge Gift kann vom Körper offenbar relativ schnell verarbeitet werden. In seinem Stamm werden Menschen, die etwas stehlen, als Strafe den Bissen dieser Tiere ausgesetzt. Eine eindrückliche Strafe, die wohl höchstens bei einer Allergie tödlich ausgeht. Die dicke Spinne, für die ich mich so ins Zeug geworfen habe, ist auch eindrucksvoll. Ob sie giftig ist oder nicht, erfahren wir leider nicht.  

Uwes geschwollenes Handgelenk ist wohl auf eine leicht allergische Reaktion auf einen Ameisenbiss zurück zu führen. Nach 3 Tagen passt seine Uhr wieder und das Ganze ist vergessen.

Wir schlafen auf einer Holzfläche, die auf Stelzen steht und ein Plastikdach hat. Ismael baut uns ein Bett aus Matratzen mit einem Laken und dünnen Schlafsäcken. Darüber kommt ein Moskitonetz. Für die Nacht, in der es fast durchgängig regnet, ist das leider zu wenig. Wir frieren! Kulinarisch werden wir von Santo versorgt. Er bekocht uns und stellt morgens drei verschiedene Sorten Gebäck her. Das ist sehr lecker, leider fehlen die tropischen Früchte. Am frühen Morgen beschließen Uwe und ich, unsere Regenwaldtour abzukürzen. Ismael ist klasse, aber die Tiere wollen sich uns bei dem Wetter nicht zeigen. So wird Santo nach dem Frühstück losgeschickt, damit wir vor dem Mittagessen abgeholt werden. Wir verbringen die Zeit oberhalb der Papageien und probieren unser Glück. 


Als wir am Bootsanleger ankommen, ist unser Boot angeblich schon wieder weg. Wir schauen uns an und wissen nicht genau, ob Isamel uns veräppelt oder ob es ernst ist. Wir entscheiden uns wieder für Gelassenheit und setzen uns in Gras. Böser Fehler: Hier wohnen die Sandflies. Die kleinen unscheinbaren Tierchen, die einen beißen, ohne dass man es erstmal merkt. Dann sieht man kleine rote Einstiche und bald darauf fangen diese an zu jucken. Häufig schwellen sie dann richtig an und beschäftigen einen mindestens eine Woche lang. Nun, nach einer Viertel Stunde kommt das Boot und am späten Nachmittag sind wir wieder in Rurrenabaque, übernachten auf Jaras Campingplatz und genießen den Komfort unseres Rockhoppers.

Am nächsten Morgen geht es in die Pampa. Die Straße dorthin gilt als relativ schlecht befahrbar. Wir brauchen ungefähr 3 1/2 Stunden für die 100 Kilometer. Im Nassen lässt sie allerdings auf mehr Abenteuer hoffen. An den Straßenrändern zeigen sich schon Feuchtgebiete mit vielen schönen Vögeln, die uns aus dem Pantanal in Brasilien vertraut sind. Nach einer Pause entdecken andere Tourenführer, die hier mit jeweils 6 bis 8 jungen Europäern unterwegs sind, ein Faultier in einem Baum am Straßenrand. Ismael führt uns gleich weiter zu einem anderen Tier. Leider entdecken wir beim Aussteigen nicht nur dies ungewöhnliche Lebewesen, sondern auch ein Loch im linken Hinterreifen. Während ich mich bemühe in dem stark belaubten und verästelten Baum das Faultier zu entdecken, fängt Uwe an, den Reifen zu wechseln. Er erhält sofort fachkundige Hilfe von den umstehenden Guides und das Ganze ist in wenigen Minuten erledigt. Wir warten jetzt, bis alle Tourenautos weiter gefahren sind. Ismael klettert auf den Baum und versucht das Faultier in Bewegung zu bringen. Das ist jedoch träge und rührt sich kaum. Da bricht Ismael den dicken Ast mit dem Tier ab und trägt es einige Meter weiter. Das Tier guckt ein wenig, stört sich aber nicht besonders an der Aktion. Wir rennen mit Kamera und Handy hinterher. Ismael setzt das Tier auf einen Baum mit wenig Ästen ohne Blätter. Hier bequemt es sich, sich ein wenig zu bewegen. Da es so langsam ist, gelingt es uns gut, es zu fotografieren. In Zeitlupe verschwindet es im Regenwald. Ein tolles Erlebnis!

In den nächsten Tagen machen wir mehrere lange Bootstouren. Dabei fahren wir mehrfach dieselbe Strecke ab, entdecken aber immer wieder Neues. Das Wetter ist meist bedeckt bis regnerisch, besondere Lichtstimmungen sind eher selten. Immer wieder versuchen wir Reiher mit Fisch oder Reiher beim Fliegen vor die Linse zu bekommen. Sehr häufig sind hier die Hoatzins. Sie sitzen in den Baumkronen und flattern gern von einem Ast zum nächsten. Anfangs haben wir den Eindruck, dass sie vielleicht nicht weit fliegen können. Das stellt sich aber als Irrtum heraus. Sie haben ein wunderschönes Gefieder, das vor dem bunten Hintergrund der Bäume nur selten wirklich zur Geltung kommt. So üben wir wieder sehr viel, bis wir Bilder haben, die uns zusagen. Besonders schwer machen es uns die rosa Flussdelfine, die hier zahlreich vorkommen. Plötzlich tauchen sie ganz kurz neben einem auf und schon sind sie wieder im lehmig braunen Wasser verschwunden. Wie oft wir dabei die Wasseroberfläche fotografiert haben, auf der nur ein wenig Wellenschlag zu sehen ist, lässt sich nicht sagen. Einen Delfin zu erwischen, ist uns jedoch fast gar nicht gelungen.


Auf einer kleinen Insel gibt es Affen. Wir laufen dort ein Stück, viele Hausschweine begegnen uns und wir finden erstmal nichts. Dann hören wir recht laute tiefe, kehlige Töne. Die schwarzen Brüllaffen, die ihrem Namen alle Ehre machen. Aber warum schwarz? Hoch in den Bäumen sitzen auch braune Tiere. Das sind die Weibchen und die Jungtiere. Die Männchen färben sich erst mit der Geschlechtsreife nach ungefähr 3 Jahren dunkel. Man, machen die einen Lärm! Da ich leider krank werde, kann ich dies Abenteuer nur teilweise genießen. Ich lege mich im Anschluss daran mit fast 39 Grad Fieber ins Bett, wo ich glücklicherweise nur 1 Tag bleibe. Schon am nächsten Nachmittag kann ich wieder mit. Uwe erlebt das Anacondaabenteuer deshalb ohne mich. Am Vormittag streifen sie durch eine feucht-nasse Wiese, lange Stöcker in der Hand. Sie versuchen damit eine Anaconda zu finden. Auch andere Touristengruppen sind dabei. Aber wieder ist es Ismael, der beherzt eine Schlange aus dem Wasser zieht. Sie ist nicht so groß, wie man sich eine Anaconda vorstellt, aber auch sie müssen ja erst Erwachsen werden. Ehrlich gesagt: So richtig böse bin ich nicht, dass ich diese Aktion verpasst habe. Ich hätte ganz schön Angst gehabt, auch wenn ich weiß, dass ich für diese Tiere ein wenig zu groß bin.

Das schönste Erlebnis haben wir jedoch mit den kleinen Totenkopfäffchen. Uwe erlebt es zweimal, ich bin einmal dabei. Die kleinen Tiere toben ganz frech auf dem Boot und seinen Insassen herum. Sie sind ungemein niedlich und fühlen sich ganz klein und zart an. Wir wissen gar nicht, was wir zuerst fotografieren sollen. Im Busch sitzend, von Ast zu Ast springend oder baumelnd, auf Uwes Mütze und seiner Kamera herumhüpfend, neugierig guckend oder mutig springend? Es macht Spaß, die Zeit mit ihnen zu verbringen. Wir sind total begeistert und können gar nicht aufhören. Aber die Sonne geht unter und der Heimweg ist noch lang. Also fahren wir vollständig zufrieden durch die Nacht zu unserem Auto zurück.

In der Nacht vor unserer Abfahrt regnet es intensiv. Die Straße direkt zu unserem Auto hat sich in eine Schlammwüste verwandelt. Ein ankommender Bolivianer sieht für unser Auto schlechte Chancen durchzukommen. Abe, wie bisher immer, fährt der Rockhopper auch genüsslich durch den Schlamm. Zwar geht es langsam voran, aber an Stecken bleiben ist überhaupt nicht zu denken. Wir holen auf dem Rückweg nach Rurrenabaque den geflickten Reifen ab, tanken mit Isamels Hilfe für den Preis der Einheimischen und erreichen zerstochen, verschwitzt und zufrieden das Dorf.

Was uns in dieser Gegend immer wieder auffällt, sind viele Autos ohne Nummernschilder. Wir haben verschiedene Leute dazu befragt und interessante Antworten bekommen. Angeblich handelt es sich um gestohlene Fahrzeuge aus Chile oder Brasilien, die über die Grenze geschmuggelt und hier für relativ wenig Geld verkauft werden. Wenn die Polizei mal so einen Wagen beschlagnahmt, dann um ihn selbst weiter zu fahren. Andere behaupten, die Wagen seien legal in Chile erworben, dann aber über die Grenze geschmuggelt worden, um den bolivianischen Zoll zu umgehen. Welche Version die richtige ist, wissen wir nicht. Ich merke nur, dass es mir doch sehr gegen den Strich geht, dass die Gesetze hier so umgangen werden. Ich bin doch ein deutsches Ordnungstier!

 


Noch am selben Nachmittag machen wir uns auf in Richtung La Paz. Wir wollen unbedingt den tagsüber gesperrten Teil der Straße durchfahren, damit wir am nächsten Tag bis nach Coroico kommen. Es wird schnell dunkel, was auf dem ersten asphaltierten Teil der Strecke nicht so schlimm ist. Das einzige Problem sind die Zweiradfahrer, die ohne Licht unterwegs sind, und die Hunde, die vertrauensselig mitten auf der Straße liegen. Je weiter wir vorwärts kommen, desto mehr Löcher hat die Straße. Im Baustellenbereich sind einige Abschnitte schon gut in Schuss, andere dagegen einspurig, schlammig und schwer passierbar. Es herrscht relativ viel Verkehr, aber auch hier gibt es gegenseitige Rücksichtnahme. Dennoch ist es anstrengend durch die Dunkelheit zu fahren. Nachdem wir den Baustellenabschnitt geschafft haben, suchen wir einen Stellplatz. Wir bleiben in einem Dorf, in dem offenbar viele Bauarbeiter wohnen und parken einfach neben einem Bus. Ich schlafe sofort ein, Uwe hört die ganze Nacht lang noch LKW, die an uns vorbei rauschen. Morgens um 4 Uhr krähen dann wie üblich in den Dörfern Südamerikas die Hähne um die Wette, um 5 Uhr starten der Bus und die anderen LKW, die neben uns übernachtet haben. Jeder hupt zum Abschied nochmal so laut er kann. Schließlich überwinden wir uns auch, das Bett zu verlassen und starten den unangenehmsten Teil der Strecke. Der starke Regen hat einige Abschnitte in Schlammpisten verwandelt. Der Rockhopper hat weiterhin keine Probleme, die mit Brückenpfeilern beladenen LKW, die uns entgegen kommen, schaffen aber die steilen Anstiege nur mühsam. So entstehen einige Wartezeiten, in denen wir filmen und fotografieren können. Uwe genießt dies, während ich mich frage, wer sich all die aufgenommenen Videos von im Dreck stecken gebliebenen fremden Autos ansehen wird. Wie man sich denken kann, kommen wir extrem langsam voran.  Aber irgendwann sind wir dann doch kurz vor Coroico. Hier geht es steil bergauf und in der kleinen Stadt selbst sind die Straßen ebenfalls sehr schmal und steil. Das Hotel Sol y Luna, in dem Uwe vor 22 Jahren schon gewohnt hat, liegt etwas oberhalb des Ortes, und es gehört schon eine gehörige Portion Augenmaß dazu, unser, dann plötzlich riesig wirkendes Auto dorthin zu bewegen, ohne etwas kaputt zu machen. Glücklicherweise gibt es einen Parkplatz für uns und wir genießen das hauptsächlich von Europäern besuchte Hotel mit Swimmingpool und Restaurant sehr. 


Nach 2 Nächten fahren wir erholt weiter. Diesmal wollen wir den "Camino de La Muerte" hoch fahren. Diese wunderschöne Straße war früher extrem gefährlich, da dort der gesamte Verkehr von La Paz in die Yungas entlang fuhr. Da die Straße an vielen Stellen einspurig und gegen die sehr steil abfallende Hänge nicht abgesichert ist, ließen viele Menschen hier ihr Leben. Seit 9 Jahren gibt es eine Asphaltstraße, die heute von den LKW und vielen Leuten, die es eilig haben, genutzt wird. Die Deathroad wird heute pro Tag ungefähr von 150 bis 200 jungen Europäern auf Mountainbikes bezwungen. In geführten Gruppen fahren sie die 2000 Höhenmeter bergab, genießen ein paar Stunden die Wärme der Yungas und werden dann mit dem Auto zurück nach La Paz gebracht. Das Problem dabei sind zum einen die Qualität der Fahrräder und zum anderen die Fähigkeiten der Fahrer/innen. Wir haben Mädchen gesehen, die so ängstlich sind, dass sie nur die Bremsen umklammern und bei jeder unvorhergesehenen Situation vom Rad springen. Wir schaffen es beinah vor ihnen oben zu sein und müssen sie nur während der letzten 4 Kilometer umfahren. Wir ärgern uns ein bisschen, dass wir diese Richtung gewählt haben. Die Straße ist so rum zwar auch sehr schön, aber die wirklich spektakulären Situationen sieht man, wenn man zurückblickt. Nun, nächsten Mal vielleicht! 


Wir fahren die Asphaltstraße hoch zum Pass und langsam runter nach La Paz. Als die ersten Häuser kommen, suchen wir für unser verkrustetes Auto eine Wäscherei. Für 50 Bs befreien bis zu 4 Männer unser Auto mit viel Wasser vom Schlamm und man kann es wieder anfassen.


Dann fahren wir in den großen Ketal-Supermarkt, im Süden der Stadt, in dem es auch Haribo gibt. Da meine Lakritz mal wieder ausverkauft ist, bestehe ich auf einem Glas Nutella. Es kostet fast 7€. Das ist, zugegebener Maßen, ungeheuerlich! Aber ich habe so lange darauf verzichtet. Jetzt stehen wir wieder auf dem Parkplatz in der Calle Colon und arbeiten am Blog und an den Bildern.

Weiter Bilder gibt es in unsere Boliviengalerie...

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Kommentar von Volker |

Hallo Ihr Lieben,
schön zu lesen, dass Ihr immer noch voller Begeisterung durch Südamerika kreuzt. Wir schauen immer wieder gern in Euren Block mit den wunderschönen Landschafts- und Tieraufnahmen. Eure Tour neigt sich nun langsam dem Ende zu... oder werdet Ihr vielleicht verlängern?
Wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit Euch in HH oder BS.
Liebe Grüße
Volker & Monika