Japan - zwischen uralten Bräuchen und hochmoderner Technik

01.03. – 10.05.2026 (794. – 864. Reisetag)

 

Da unser Anliegen unser in Deutschland zugelassenes Auto nach Japan zu verschiffen an einem alten nicht unterschriebenen Vertrag zwischen Deutschland und Japan im Jahr 1949 gescheitert ist, haben wir uns entschieden, im Anschluss an Uwes Fotoreise nach Hokkaido für 2½ Monate das Land per Mietwagen und Hotel bzw. per gemietetem Wohnmobil zu erkunden.

Im Laufe der Zeit wird uns deutlich, dass es für unsere Leser sehr langweilig werden würde, unserer Strecke im Detail zu folgen, da sich doch vieles wiederholt. Wir haben deshalb beschlossen, nur einzelne Blickwinkel auf das Land darzustellen, und hoffen, dass ihr daran Freude habt, einzelne Aspekte unserer Fahrt nachzuvollziehen.

Um euch ein wenig Lust auf Japan zu machen, stellen wir jetzt ein paar Fotos voran und gehen dann auf verschiedene Aspekte unserer Reise ein. Viel Spaß beim Lesen!

Eine Auswahl von unseren "Best of Japan" Fotos findest du hier in der Galerie!

 

Das Leben in Hotels

Unsere To-do-Liste für die Zeit ist lang, denn Uwe sammelt seit ewigen Zeiten Fotos, die andere vom Land gemacht haben und hat deshalb unendlich viele Ziele im Visier. So ergibt es sich, dass wir nur selten länger an einem Ort sind und die Erholung, die er nach seinen Griechenland- und der Japanreise mit Gästen benötigt, in den Hintergrund tritt. Zuerst leben wir in etlichen Hotels, die wir erst während der Reise immer wieder buchen. Das ist nicht so einfach, denn das Wetter spielt natürlich eine wesentliche Rolle. Zu viel Sonne ist zum Fotografieren meistens schlecht, zu wenig aber auch. Bedeckter Himmel ist meist gut, leichte Wolken am Himmel eignen sich für Sonnenauf- und -untergänge. So würden wir gern an einer Stelle länger bleiben, an einer anderen später ankommen. Ein ständiges Hin und Her, was die Buchungen kompliziert macht. Meist buchen wir über Booking.com, weil es schnell und einfach funktioniert. Solange es keine Beanstandungen gibt, ist alles okay. Gibt es z.B. geänderte Abflugzeiten bei den Flügen, reagieren sie so gut wie gar nicht. Das mussten wir jetzt auch erfahren, gelesen hatten wir davon schon. Aber das ist ein anderes Thema…

Das Leben in den Hotels ist insgesamt sehr angenehm. Die typisch japanischen Frühstücke sind natürlich ungewohnt. Viel Fisch und andere Meeresfrüchte, Misosuppen und in Hotels mit Buffet natürlich auch westliches Essen. Häufig haben wir auch auf das Frühstück im Hotel verzichtet, weil es uns häufig zu reichhaltig, zu Fisch lastig oder auch zu teuer erschien. Stattdessen haben wir uns dann irgendwo einen Kaffee (siehe weiter unten) geholt und dazu ein Sandwich oder ähnliches.  

Die Hotels sind sehr unterschiedlich ausgestattet. In den Städten findet man überall französische Betten, Duschen und vertrautes Mobiliar. In einfacheren Hotels gibt es häufig Futons, die nur nachts ausgerollt werden. Man sitzt mehr oder weniger auf dem Fußboden und dieser ist mit Reismatten belegt. Das ist eine Erfahrung, die man sich ruhig gönnen sollte, denn wir haben dort immer sehr gut geschlafen.

Die Sprache

Von vielen Reisen sind wir es gewohnt, dass unser Gegenüber zumindest ein wenig Englisch spricht. Das ist an vielen touristischen Zielen auch in Japan so. Wir haben versucht, ein wenig japanisch zu lernen, und sind schon an den Ortsnamen gescheitert. Die Wörter bestehen zwar aus einfachen Silben, aber die Aneinanderreihung ist für uns nicht nachvollziehbar und es dauert ewig, bis wir uns ein Wort merken können. Die Wörter können wir mit nichts Bekanntem verknüpfen, so dass sie einem immer wieder wegrutschen. So geht es den Japanern mit Englisch offenbar auch. Selbst wenn sie es ein wenig sprechen, geraten sie doch schnell an ihre Grenzen, es sei denn, sie haben mehrere Jahre im Ausland gelebt.

Im Prinzip sind wir mit folgenden Worten bzw. Sätzen klargekommen:

Arigato goseimas - vielen Dank

Futatso Café Latte hoto – zwei große, heiße Café Latte

Konnischiwa – hallo

Wenn man sich dann höflich verbeugt und Blickkontakt sucht, reagieren die Japaner immer sehr freundlich und hilfsbereit.

Da sich die Zahlwörter wie z.B. die Zahl zwei nach den zu zählenden Objekten verändern, hatte unsere anfängliche Ausdrucksweise, statt „futatso“ „ni“ zu sagen, wenig Erfolg. Ein Freund, der 15 Jahre in Japan gelebt hat und mit einer Japanerin verheiratet ist, hat uns dann aufgeklärt, weshalb uns niemand versteht.

Besonders schwierig ist es wohl, Japanisch schreiben und lesen zu lernen. Es gibt drei verschiedene Schreibarten. Die Kanji Schriftzeichen (50.000 Zeichen, davon sind ungefähr 3000 verpflichtend für die Schule) stammen aus China, Hiragana entstand aus diesen Schriftzeichen, die für Frauen als zu kompliziert galten. Es entwickelte sich eine Art Silbenschrift mit 50 Zeichen, die heute sehr gebräuchlich ist. Für ausländische Wörter wird Katakana genutzt, Zahlen werden in Kanji oder aber mit arabischen Ziffern geschrieben. Auch das lateinische Alphabet – Rōmaji genannt – findet in der modernen japanischen Sprache Verwendung z.B. bei internationalen Firmennamen.

Man muss aber keine Angst haben. Wir haben gelernt, dass die App GoogleÜbersetzer sehr hilfreich sein kann. Beim gesprochenen Wort ist es gut, zwischen Englisch und Japanisch zu wechseln. Das gesprochene Wort wird sehr ungenau in die andere Sprache übersetzt. Mit Englisch funktioniert es aber und die meisten Japaner, die im Tourismus tätig sind, benutzen sie auch.

Außerdem kann man mit der Kamerafunktion wunderbar lesen. Das funktioniert so gut, dass es richtig Spaß macht. Man richtet die Kamera auf den Satz oder das Wort und darüber erscheint dann die deutsche Übersetzung. Hier klappt es prima mit dem Deutschen. Nur bei den Speisekarten wundert man sich manchmal, was denn nun gemeint sein soll.

So kann man die Parkplatzbedingungen lesen und weiß, was für Lebensmittel sich hinter einer Verpackung verstecken. Das ist nützlich und geht mit der Zeit auch immer schneller.

Toiletten

Lange herrschte in Japan die Tradition, Toiletten als Loch auf dem Fußboden zu bauen. Diese Möglichkeit gibt es an vielen Stellen immer noch. Inzwischen findet man daneben aber eine wesentlich modernere Kultur. Viele Klos sind hochtechnisch ausgestattet. Sie haben ein komplex erscheinendes Display an der Seite, was die Beheizung der Toilettenbrille und die anschließende Reinigung des Körpers betrifft. Auch die Spülung ist so geregelt. Besonders amüsant finde ich die Taste, die dafür sorgt, dass die Toilette Laute z.B. in Form von rieselndem Wasser von sich gibt, damit die natürlichen Geräusche nicht hörbar sind. An einer Toilette z.B. fängt zu diesem Zweck dann in Wasserhahn an zu laufen, der das Wasser wieder in den Spülkasten zurückführt. Falls etwas Schlimmes passiert, gibt es häufig auch einen Notfallknopf. Leider ist die Beschriftung nicht überall in Englisch vorhanden, so dass es für uns manchmal schwierig ist, die richtige Taste zu finden. Mit der Zeit lernt man es allerdings zu deuten und die Fehlerhäufigkeit nimmt ab.

In vielen öffentlichen Toiletten gibt es Kinderstühle, in die man das Kleinkind stecken kann, während man selbst auf der Toilette sitzt. Sehr gute Idee, finde ich.

Auch Wickeltische sind gang und gäbe. So gewinnt man den Eindruck, dass Japan sehr kinderfreundlich ist, was sich in der Anzahl der Geburten allerdings nicht widerspiegelt.

In Privathaushalten und häufig auch in den Onsen oder Hotels stehen an der Toilettentür Schuhe, die man in der Toilette anziehen und beim Verlassen des Örtchens wieder ausziehen soll.  Dieser Brauch ist für uns nicht wirklich nachvollziehbar, so dass ich mich immer wieder dabei ertappe, mit den Toilettenschuhen weiterzugehen, was natürlich überhaupt nicht im Sinne des Erfinders liegt.

Kaffee – ein Getränk für Genießer

(https://iaro.co/blogs/journal/japanische-kaffeekultur?srsltid=AfmBOopTaqXrOrqx1-TUaEWUwSPrDQUlqkn5NaFZRGpEGe-JIh-3S2y_)

Die Japaner trinken traditionell vor allem Tee. Aber der Kaffee hat im 19. Jahrhundert seinen Weg zu ihnen gefunden. Wen das genauer interessiert, der findet eine übersichtliche Darstellung dieses Weges unter der oben genannten Adresse.

Unser Weg zu einem Kaffee, der uns schmeckt, ist recht kurz. In den überall anzutreffenden Convenience-Stores gibt es beinah überall Kaffeeautomaten. Hier kann man für wenig Geld einen großen Café-Latte- hotto erstehen. Das „hotto ist wichtig, da es hier auch üblich ist, den Kaffee eiskalt zu trinken. Er wird zuerst an der Kasse bezahlt und man erhält einen Einwegbecher, der genau in die Maschine passt, und begibt sich zum Automaten. Anfangs ist die Gefahr auf die falsche Taste zu drücken recht hoch. Aber mit der Zeit lernen wir auch das. Der Preis für einen heißen Latte Large beträgt 1,39€ - 1,50€ je nach Geschäft. Da diese Läden häufig rund um die Uhr geöffnet haben, ist es also kein Problem unseren Kaffeedurst zu stillen.

Was unser deutsches Umweltgewissen unruhig werden lässt, sind die Wegwerfbecher. Aber wir verdrängen kräftig, weil wir daran gar nichts ändern können und uns auf der ganzen Welt eine sehr entspannte Haltung diesbezüglich entgegenkommt. Das deutsche oder europäische „Vorbild“ wird meist belächelt und überhaupt nicht ernst genommen.

Wir haben auch den fertigen Kaffee aus den großen Automaten, die an jeder nur erdenklichen Stelle in Japan zu finden sind, probiert. Dabei ist es sehr schwierig, einen ungesüßten Kaffee mit Milch zu bekommen. Die Automaten bieten alle möglichen Variationen an, insbesondere heißen und kalten Kaffee. Das ist für mich wirklich neu und ich war zu Beginn sehr skeptisch. Aber es klappt. Der Kaffee ist tatsächlich heiß. Dennoch geben wir den Convenience-Stores den Vorrang, da uns Zucker oder Süßstoff den besten Kaffee verderben. ChatGPT hat uns zwar Anweisungen gegeben, wie wir ungesüßten Kaffee finden können, die uns aber in der Praxis nicht weitergeholfen haben.

Kaffee zum Aufgießen gibt es in kleinen praktischen Tüten, in denen der Kaffee direkt pro Tasse gebrüht wird. Zum Campen ist das hervorragend geeignet, wenn man ihn denn mag.

Onsen – Entspannung pur

Während wir in Hotels übernachten, stellt der Onsen für uns häufig einen Ort der Entspannung dar. Während wir im Camper ohne Toilette und Dusche unterwegs sind, ist es auch ein notwendiger Ort für unsere Körperpflege geworden und die Abstände von einem Onsen zum anderen betragen allerhöchstens 3 Tage.

Je nach Qualität sind sie sehr unterschiedlich gestaltet. Manchmal findet man nur schlichte, gekachelte Becken mit unterschiedlich heißem Wasser sowie Sitzplätze zum Waschen mit einer Dusche, Seife und Shampoo. Aber es gibt auch sehr liebevoll gestaltete Onsen, die sich für uns besonders durch schöne Becken in freier Natur auszeichnen. Ein kleiner Wasserfall in ein Natursteinbecken ist sehr reizvoll, aber auch völlig in der Natur gelegene Onsen begeistern uns. Diese haben dann immer eine natürliche heiße Quelle als Grundlage und sind einfach ein Genuss.

Meistens ist der der Besuch der Onsen für Frauen und Männer getrennt. Spannend sind die Regeln, die dort herrschen. Man zieht seine Schuhe schon im Eingang aus, packt sie in ein Schließfach oder ein Regal und geht auf Socken weiter. Nach dem Bezahlen, zwischen 400 und 1500 Yen (2,14€ – 8€) geht es in die Umkleide, in der man sich nackt auszieht und seine Sachen entweder in ein Schließfach oder einen Korb legt. Im nächsten Raum befinden sich in jedem Fall die Plätze, an denen man sich reinigt, bevor man in die Onsenbecken steigt. Viele Japanerinnen schrubben sich dort mit einem dünnen Lappen und Seife bzw. Shampoo bis sie fast keine Haut mehr haben.

Anschließend geht man in die Becken, die zwischen 38 und 42 Grad heiß sein können. Das fordert den Kreislauf manchmal ganz schön heraus. Schweigend sitzen die Menschen dort, bewegen sich kaum und nur selten sprechen sie miteinander. Man wechselt das Becken, geht auch mal in die Sauna, wenn vorhanden, und kann auch häufig in ein Becken mit kaltem Wasser steigen. Einige Becken haben auch Sprudelbecken oder Massageeinrichtungen. Je nach Ausstattung kann man sich also kurz oder lang dort aufhalten. Ich persönlich halte es inzwischen in recht heißen Becken gut aus, mache ein paar Verrenkungen für meine Gelenke und nehme die obligatorische Dusche am Ende häufig in kalt. Meinem Kreislauf tut dieser Abschluss sehr gut.

Manchmal sind die Onsen auch für Männer und Frauen gleichzeitig zugänglich. Auf Yakushima gehen wir in einen Onsen, der nur die zwei Stunden vor und nach Niedrigwasser zugänglich ist. Er liegt wunderschön in den Felsen und ist vom Meer fast umspült. Unsere Wirtin hat uns vorher eingewiesen. Der Mann muss ein Handtuch um seine Lenden legen, währen die Frau einen Schlauch mit eingezogenem Gummiband bekommt, um sich zu bedecken. Wenn man im Wasser ist, darf man das Kleidungsstück ablegen. In der Praxis sieht es dann etwas entspannter aus. Jeder bemüht sich, aber es gelingt eigentlich niemandem wirklich, seine Nacktheit durchgängig zu verhüllen. Diese Umgebung ist wirklich einmalig. Wir lernen dort eine Schweizer Familie kennen, mit der wir uns gut unterhalten. Ein älterer Japaner zeigt uns mit viel Humor noch einige Kleinigkeiten. So gibt es ein kleines Wasserloch, in dem das Wasser nicht salzig und auch nicht so heiß ist und mit dem man sich am Ende das Salzwasser abspülen kann. Er hat auch eine Umkleidekabine zwischen den Felsen, während wir weiter weg in einen gebauten Schuppen gehen.

Für Menschen mit Tätowierungen ist es nicht immer möglich einen Onsen zu nutzen, da sie an vielen Stellen nicht akzeptiert werden. Der Grund dafür liegt in den Assoziationen zur japanischen Mafia, die es wohl als Erkennungszeichen nutzen. In der Regel wird man gleich am Eingang darauf hingewiesen, ob Tattoos erlaubt sind oder nicht.

Camping

Wir haben einen Weißwarencamper gebucht. Für ganze sechs Wochen! Wir sind sehr gespannt, wie es uns das damit gehen wird.

Zu Beginn ist alles ein wenig schwierig, da wir das falsche Auto bekommen und auch fast keine Innenausstattung vorhanden ist. Das wird aber schnell geklärt, so dass wir einen Camper ohne Toilette und Dusche, aber mit einer breiten Liegefläche, relativ großen Fenstern und viel Stauraum erhalten. Die Küchenausrüstung ist sehr mager, die Schlafsäcke stellen sich als viel zu dünn heraus.  Aber frohen Mutes fahren wir los, froh wieder Herr über unseren Schlafplatz zu sein.

Schnell stellen wir fest, dass uns doch so einiges an praktischem Equipment fehlt. Notgedrungen müssen wir es also kaufen. Zufällig finden wir einen großen Laden, indem wir etliches davon finden. Zum Beispiel einen kleinen Besen, Lappen, ein kleines scharfes Messer, Teelöffel und Vorratsdosen. Uwe wundert sich, dass es keine Preisschilder gibt. An der Kasse stellen wir dann fest, dass jedes Stück hier 70 Cent kostet. Wir sind in einem „1 Euro-Laden“ japanischer Art gelandet. Unvorstellbar welche Auswahl an qualitativ guten Dingen es hier gibt. Wir hätten unseren gesamten Bastel- und Bürobedarf, große Teile der Küchenausstattung und noch vieles mehr kaufen können. Aber glücklicherweise haben wir ja keinen Platz.

In Japan darf man eigentlich nur auf ausgewiesenen Plätzen übernachten. Mit der Michi-App (Michi-no-Eki- Plätze) findet man die Road Stations, auf denen man stehen darf. Sie befinden sich oft an attraktiven Stellen, bieten Toiletten, Mülleimer, Getränkeautomaten und meist auch ein Restaurant oder einen Imbiss, der jedoch für uns meistens ungünstige Öffnungszeiten hat. Davon gibt es zwar viele (ca. 1200), aber häufig dann doch keinen dort, wo wir übernachten möchten. Solange man seine Campingstühle im Auto lässt, kann man aber fast überall auf geöffneten 24-Stunden Parkplätzen stehen. Wir haben das sehr häufig gemacht und sind nie angesprochen worden. Um diese Plätze zu finden, genügt es nicht, bei Google Maps zu suchen. Es gibt nämlich auch sehr viele Parkplätze, die dauerhaft vermietet sind. Sie sehen leer aus, können aber jederzeit vom Mieter gebraucht werden. Es ist also sehr sinnvoll, die Schilder auf den Parkplätzen gut zu lesen, wenn man Probleme vermeiden will. Selbst in den Großstädten findet man die Parkplätze, wenn man lange genug sucht. Wir haben immer die Fenster verdunkelt, so dass man uns nicht gleich gesehen hat. Wer genau hinguckt, hat natürlich erkannt, dass das Auto bewohnt ist. Aber da sind die Japaner offenbar tolerant.

Ein nicht enden wollendes Problem ist allerdings die fehlende Toilette. Wenn man nicht auf einem Michi-Platz ist, sind die Convenience-Stores die Rettung. 7Eleven, Family Mart und Lawsons findet man in allen bewohnten Gegenden mit einem Abstand von gefühlt 600m. Sie haben alle eine Toilette, die man benutzen darf, sind alle sauber und es wird nicht unbedingt erwartet, dass man etwas kauft. Meist erwerben wir etwas, aber gerade spät abends oder früh morgens hat die Natur ihr Recht verlangt und die Neigung etwas zu kaufen, ist nicht besonders groß.

Müll

Ein besonderes Problem ist es, den Müll loszuwerden. Die Japaner nehmen ihn mit nach Hause, im Hotel hat man Papierkörbe. Für Camper sieht das anders aus. Öffentliche Mülleimer sind eine Seltenheit. Da hier aber alles mehrfach in Plastik eingepackt ist, fällt natürlich reichlich Abfall an. Wir versuchen ihn in kleine Plastiktüten, die man in der Obst- und Gemüseabteilung für alles bekommt, zu stopfen und diese dann in den Conveniencestores in den kleinen Klappen für Müll zu entsorgen. Wir haben dabei immer ein leicht schlechtes Gewissen – warum auch immer??? -  aber den Abfall irgendwo in die Landschaft zu werfen, geht uns auch gegen den Strich.

Da wir im Auto nur wenig Equipment zum Kochen haben, nutzen wir die vielen vorgekochten Essen, die es überall zu kaufen gibt, häufig. Glücklicherweise haben wir eine Mikrowelle, die uns öfter zu einer warmen Mahlzeit verhilft. Unser kleiner Gaskocher wird für Nudeln und zum Braten von Fisch oder Fleisch genutzt. Das ist ein wenig mühsam, ist aber in Kombination mit einem Salat auch lecker. So sind wir viel unabhängiger von Restaurants und Cafés.

Sushi ist inzwischen Uwes Lieblingsessen. Man findet es in Japan überall. Allerdings unterscheidet es sich sehr in seiner Qualität. Hier merkt man deutlich, wenn man mehr Geld ausgibt. Dennoch haben wir es während der Campingzeit auch hin und wieder in den Supermärkten gekauft und als Hauptmahlzeit verspeist. Das geht immer sehr schnell, ist meist lecker und dort recht preiswert.

Essen gehen

Natürlich sind wir häufig essen gegangen. Da es nicht immer ein Luxusrestaurant sein kann, haben wir Vieles ausprobiert. Die Restaurantdichte in Japan ist hoch, solange man sich in bewohnten Gebieten aufhält. In den Bergen oder an bestimmten Abschnitten an der Küste, kann es ein wenig schwieriger sein. Wegen der Convenience Stores verhungert man aber auf gar keinen Fall.

Eine Regel, an die man sich tatsächlich halten kann, lautet: Wenn die Japaner irgendwo in einer Schlange anstehen und nicht auf einen Bus warten, lohnt es sich.

Diese Erfahrungen machen wir an einem Abend, an dem wir ein besonderes Haus fotografieren. Wir schlendern noch ein wenig die Straße entlang und schauen, weshalb sich an einer Stelle so viele Leute anstellen. Dahinter verbirgt sich eine winzig kleine Küche, in der ein einzelner Mann Nudelsuppe mit Schweinefleisch kocht und verkauft. Die gut gefüllte Schale kostet ca. 3,50€ und ist superlecker, obwohl man sie entweder im Stehen oder auf einer nahegelegenen Mauer sitzend isst.

Ein weiteres Mal geht in einer sehr edlen Mall um Eis. Hier warten wir ungefähr eine halbe Stunde in der Schlange stehend, da das Eis für jeden Kunden persönlich aus einer Grundmasse hergestellt und mit den gewünschten Zutaten gemischt wird. Es ist extrem schmackhaft und seinen hohen Preis wert.

Die Vielfalt der Restaurants ist beeindruckend. Es gibt sehr preiswerte Ketten und auch sehr edle Restaurants. So landen wir einmal tatsächlich bei Mc Donalds. Genau wie bei uns, muss man per Automat bestellen. Für uns eine etwas größere Herausforderung. Wenn man das englische Menü gleich findet, geht es natürlich einfacher. Aber im ersten Moment stockt einem ein wenig der Atem.

So gibt es z.B. auch Suppenrestaurants, bei denen man an einem Automaten bestellt und sich dann davor auf Stühle setzt, bis drinnen ein Platz frei wird. Selbst wenn acht bis zehn Gäste vor einem dran sind, geht es meist überschaubar schnell.

Wir richten uns häufig nach den Googlebewertungen und sind damit recht gut klargekommen. Vom Italiener bis zum Vietnamesen gibt es fast jede Essensrichtung, die einem so einfällt. Alle Qualitätsstufen sind vorhanden und im Endeffekt ist ja alles Gemackssache!

Die Sushirestaurants besuchen wir häufiger, weil Uwe es so liebt. In vielen zieht das Essen auf Transportbändern an einem vorbei und man bedient sich, wenn etwas Leckeres daherkommt. Genauso gibt es auch Restaurants, in denen man einzeln bestellt. Hier lernen wir von einem Japaner, dass man den Fisch in die Sojasauce tunkt und nicht den Reis. Der qualitativ hochwertigste Fisch wird zum Ende gegessen, wobei der fetteste Thunfisch zuletzt genossen wird. Die Misosuppe dient dem Abschluss der Mahlzeit, so ähnlich wie in Frankreich der Käse. Wichtig ist immer die Frische des Fisches.

Wenn wir uns überlegen, wie viel Fisch in Japan gegessen wird, können wir gut verstehen, dass die Meere inzwischen ziemlich leer sind. Für uns ist es unvorstellbar, welche Mengen da weggehen. Japan versucht wohl, mehr auf Aquakulturen zu setzen und ungeliebten Beifang schmackhaft zu machen. Begehrte Arten wie beispielsweise der Thunfisch sind inzwischen vom Aussterben bedroht.

Cocktailbar

An dieser Stelle muss ich die Cocktailbar Centifolia erwähnen. Dieses kleine Abenteuer hat mich sehr beeindruckt.

Gleich zu Beginn unserer Zeit zu zweit in Tokyo erlebe ich die Bar das erste Mal. Wir fahren dort mit der Bahn hin und gehen zu einem völlig unscheinbaren Eingang. Dort gibt es einen Fahrstuhl, der höchsten vier Personen aufnehmen kann. Zu viert fahren wir hoch und können kaum austeigen, da der kleine Flur vor der Fahrstuhltür schon mit Menschen gefüllt ist. Wir quetschen uns noch dazu und erfahren, dass es für diesen Abend keinen Platz mehr in der Bar gibt. Da Uwe vor einem Jahr schon einmal da war, hat er Kontakt zur Managerin und sie gibt uns tatsächlich einen Termin für unseren letzten Abend in Tokyo zwei Monate später.

Dieser Abend wird dann sehr eindrucksvoll. Wir sitzen an der Bar und hinter uns findet dasselbe Gedrängel statt, wie wir es auch schon erlebt haben.

Wir bekommen ungefragt 2 Gläser Champagner hingestellt, die während der nächsten zwei Stunden ständig aufgefüllt werden. Dann geht es um unsere Bestellung. Von der Karte wählen wir unseren Cocktail aus und dann geht es auch schon los. Der weltberühmte Barkeeper fängt mit seinem Schauspiel an. Ein großer Eisklumpen wird mit einer Art Samuraischwert so geschnitten, dass er ins Glas passt. Da wird Alkohol über den Tresen geschüttet und angezündet, während der Meister den Cocktail weiter mischt oder schüttelt. Er bindet Blumen und farbigen Glitzer mit ein, schüttet gefrorenen Stickstoff aus, so dass wunderschöne Gebilde entstehen. Der Gast, für den grad der Cocktail gemacht wird, sitzt dem Meister direkt gegenüber und bekommt am Ende sein Getränk höchst persönlich überreicht. Eine tolle Show, die jeden persönlich wahrnimmt, und, wenn man möchte, noch mit Fotos des Barkeepers mit einem selbst hinter der Bar belohnt. Nach zwei Stunden ist Schichtwechsel und man muss den Raum verlassen. Ein sehr eindrückliches und unvergessliches Erlebnis!!!

Deutsche Bäcker

Wir essen in Japan häufig mal ein Sandwich und nachdem wir in den Camper umgezogen sind, auch unsere Mittagsbrotzeit. Leider gibt es in Supermärkten nur Toastbrot oder süßes, weiches, weißes Brot. Das nehmen wir hin, aber in uns schlummert der tiefe Wunsch, mal wieder gutes Sauerteigbrot zu essen. Während COVID habe ich ja angefangen unser Brot aus gutem Bioroggen und – weizen selbst zu backen. Dies habe ich in Australien im Rockhopper weitergeführt. Nur hier geht das leider nicht. Die Gaskartusche unseres kleinen Kochers lässt uns dabei in Stich.

So schauen wir immer mal wieder nach guten Bäckereien und werden auch fündig. Manchmal ist es ein französischer Bäcker, bei dem es leckere Croissant und knackige Baguettes gibt. Dreimal finden wir sogar deutsche Bäckereien, die damit auch werben. Besonders ist der Besuch jedoch beim Konditormeister Kyo in Hiroshima. Er freut sich riesig, dass wir ihn besuchen und er die Chance bekommt, Deutsch zu sprechen. Er hat seine Ausbildung in Deutschland gemacht, 12 Jahre dort gelebt und sich sehr wohl gefühlt. Da es in Japan nur wenige deutschsprachige Ausländer gibt, kann er die Sprache nur selten anwenden. Wir bleiben zum Kaffee und werden mit vielerlei Kleinigkeiten beschenkt. Er setzt sich zu uns und wir schnacken eine ganze Zeit. Lustig ist, dass alle Teilchen, die er backt, viel kleiner sind als bei uns. Die Japaner essen halt weniger. Das sieht man ihnen auch an. Sie sind in der überwiegenden Anzahl sehr viel schlanker und zarter als wir Europäer. Da wir in der Konditorei gelandet sind, in der es kein Brot gibt, fahren wir auch noch in seine Bäckerei Mehl, in der Brot gebacken wird. Obwohl der Tag schon fortgeschritten ist, erstehen wir noch 2 leckere Brote, die wir teilweise in unserem kleinen Gefrierfach aufbewahren. Es ist so schön, leckeres Brot mit Camembert oder Schinken zu essen. Da merken wir sehr deutlich, wie wir geprägt wurden.

Fotografieren

Da Uwe überlegt, seine Japantouren zu verändern oder auszuweiten, haben wir während dieser Reise extrem viele potentielle Fotolocations aufgesucht. Uwe hat seit längerer Zeit Fotos gesammelt und auf einer GoogleMapskarte markiert. So sind wir also auf der Jagd nach dem idealen Licht und dem idealen Blickwinkel kombiniert mit Technik und kreativen Ideen.  Das bedeutet fast täglich vor dem Sonnenaufgang aufzustehen, an Orte zu gehen oder zu steigen, das frühe Licht zu nutzen und möglichst schöne Aufnahmen zu machen. Ebenso ist es abends vor dem Sonnenuntergang und in der blauen Stunde. Dabei kommt es immer wieder vor, dass das Licht nicht so mitspielt, wie wir es uns wünschen. So fahren wir etliche Punkte doppelt und dreifach an. Da die Entfernungen auch in Japan nicht zu unterschätzen sind, führt das auch immer wieder zu langen Fahrten. Dabei kommt die dringend notwendige Erholung für Uwe ein wenig zu kurz, Bilder löschen und ihre Bearbeitung haben auch nur wenig Raum.

In Tokyo, Kyoto und Osaka fotografieren wir eindrucksvolle Hochhäuser, besondere Gebäude und das Leben auf der Straße teilweise bei Nacht.

Es ist sehr eindrucksvoll sich in diesen Riesenmetropolen zu bewegen. Die Infrastruktur ist aufgrund des Platzmangels in die Senkrechte ausgewichen, besser gesagt, sie wird kreativ genutzt. Straßen winden sich in den Himmel, Häuser sind 30 bis 40 Stockwerke hoch, die Metro geht weit in die Tiefe. Dort finden sich auf manchen Ebenen ganze Einkaufs- und Restaurantmeilen. Alles ist extrem sauber und gepflegt. Einen Obdachlosen haben wir nur ein einziges Mal gesehen. Die Menschenmengen, die sich hier bewegen, sind zu manchen Uhrzeiten unfassbar. Gegen den Strom zu gehen, ist dann fast unmöglich. Es gibt aber kein Gedränge oder Geschubse. Alle warten geduldig, wenn es nicht weiter geht. Einzig zu den Stoßzeiten in der Bahn kann man andere Erfahrungen machen. Unser Begriff von „voll“ wird hier anders interpretiert. Die Japaner drängen sich noch in die Waggons, wenn bei uns der Ungeduldigste auf den nächsten Zug warten würde. Umfallen kann man nicht, da dafür kein Platz ist. Es entsteht nur sehr viel körperliche Nähe. Meist ist es aber sehr angenehm in den Bahnen. Es ist sehr still, da kein Telefonat und keine Musik erlaubt sind. Die Menschen sprechen, wenn überhaupt, leise miteinander. Die Bahnen kommen häufig und sind pünktlich, die Verbindungen, insbesondere in Tokyo sehr gut.

Es gibt auch sehr eindrucksvolle moderne Gebäude, die mit viel künstlerischem Gespür gebaut wurden. Wir sind immer wieder beeindruckt von ihrer Vielfalt, einige sind sehr minimalistisch, andere haben sehr viel lebendiges Grün, andere viel Glas, besondere Formen, …… An einigen Stellen findet man aber auch Häuser, die aufgrund ihres Alters und ihrer Gestaltung sehenswert sind. Sie sind alt und zeigen ein lebendiges Bild mit Lichtern und Werbung.

Auch der Straßenverkehr ist bemerkenswert. Die Ampelphasen sind immer recht lang. Aber alle halten sich daran. Als Autofahrer erfährt man so lange Grünphasen, wenn man dann steht, dauert es halt.  Auf den Maut pflichtigen Autobahnen gilt häufig 100 oder 80 km/h, doch alle fahren schneller. Wir haben erfahren, dass die japanische Polizei nur dann eingreift, wenn sie wirkliche Raser aufspürt. Wenn der Verkehr flüssig läuft und keiner drängelt, lassen sie es laufen. Es geht hier nicht darum, möglichst viel Bußgeld zu kassieren, sondern darum, den reibungslosen Ablauf für alle zu gewährleisten. Eine tolle Haltung, finden wir. Wenn man aber herausgefischt wird, dann sollen die Strafen saftig sein. Die Straßen über Land sind häufig sehr schmal und in relativ schlechtem Zustand. Hier braucht man Ewigkeiten, um von A nach B zu kommen. Deshalb haben wir häufig die teuren Autobahnen genutzt.

Bevor die Kirschblüte beginnt, erkunden wir erstmal drei Tage lang Tokyo, bevor wir uns auf die Jagd nach den schönsten Kirschblüten machen. Da die Bäume glücklicherweise nicht alle gleichzeitig blühen, gelingen uns auch in Tokyo schon einige schöne Bilder.

Die Sakura-App zeigt an, wo und wie weit die Blüte fortgeschritten ist. Sie beginnt eher im Süden und wandert dann gen Norden. Full Bloom ist zum Fotografieren am schönsten.  Aber es gelingt uns nur selten, pünktlich vor Ort zu sein. Aber seht selbst …..

Während der Kirschblüte sind viele Japaner und viele Touristen unterwegs. Sie genießen die Übermacht der Blüten, picknicken und fotografieren sich gegenseitig. Viele Frauen kleiden sich besonders, einige verkleiden sich richtig. Sie sind dann in rosanen und beigen Kleidern unterwegs und sehen vor dem blühenden Hintergrund wunderschön aus.

Religiöse Symbole

Einen besonderen Schwerpunkt legen wir diesmal auf die Fotografie von religiösen Symbolen, wie die Toriis, Schreinen oder Tempeln, die es hier in unvorstellbarer Fülle gibt. Wir begegnen einer uralten Kunst besondere Stimmungen zu schaffen, die mit Ruhe, Gelassenheit und sehr viel Liebe zum Detail einher gehen. Diese Orte sind in der Regel vom Buddhismus oder Shintoismus geprägt, den beiden in Japan vorherrschenden Religionen. Die Japaner leben sie mit viel Pragmatismus und sind ihnen auf die ihnen eigene Art verpflichtet. Am besten sind natürlich Fotos, die diese Motive mit der Kirschblüte oder mit besonderem Licht verbinden.

Der Fuji

Der Fuji ist ein Wahrzeichen Japans. Auch bei uns kennen viele den typischen Blick auf den majestätischen Vulkan mit 3776,24 m Höhe. Er ist seit 1706 nicht mehr ausgebrochen und gilt zurzeit als sehr ruhig.

Sehr häufig liegt seine schneebedeckte Krone hinter Wolken, so dass man sich immer wieder freut, wenn man sie sieht. Wir haben auch ungewöhnlich viele Bilder dieses Berges gemacht.

Minimalistische Fotografie


Kurz vor unserer Japantour habe ich den ersten Teil eines Workshops bei Ronny Behnerts (bewegungsunschaerfe.de) gemacht, weil mich seine Fotos sehr angesprochen haben. Wir haben uns in Berlin getroffen und er hat mir meine Aversion gegen Filter ein wenig abtrainiert. Es hat mich leider nicht daran gehindert, während unserer Tour einen 6-Stopp-Filter zu zerdeppern. Aber ich habe angefangen zu verstehen, wozu sie gut sind und dass sie das Spektrum der Fotografie doch sehr erweitern können.

So haben Uwe und ich auch etliche Fotos in Anlehnung an sein Vorbild gemacht. Diese Art der Fotografie braucht viel Geduld beim Aufnehmen und einiges an Können beim Entwickeln. Auch ein passendes Motiv zu finden ist nicht immer einfach. Aber das ist ja Teil des Sports, oder?

Wohlfühlland Japan?

Die Reise durch dieses besondere Land hat uns tief beeindruckt. Das Land, das eine sehr fortschrittliche Wirtschaft hat, eifrige und ehrgeizige Menschen hervorbringt, die zurückhaltend, höflich und sehr freundlich sind, hat uns in seinen Bann gezogen.

Überall findet man bemerkenswerte Kunstwerke, die mit viel Liebe zum Detail entstanden sind. Ihr Glaube, ihre Haltung, ihr Fleiß sind einmalig. Dennoch fehlt mir persönlich die in vielen Ländern dieser Welt übliche herzliche Gastfreundschaft. Die meisten Japaner schauen weg, wenn man ihnen im öffentlichen Raum begegnet. Will man aneinander vorbei, verbeugen sie sich. Das ist sehr höflich und überhaupt nicht zu kritisieren. Dennoch gefällt mir ein fröhliches Lächeln und ein Blick in die Augen meines Gegenübers besser. Sobald man mit jemandem spricht, sind alle sehr freundlich und bemüht, hilfsbereit und auch schnell mit einer Sprachapp oder ihren eigenen Englischkenntnissen dabei.

Einige Male haben wir auch Begegnungen, über die wir uns besonders freuen. Einmal spricht mich eine Japanerin im Onsen an. Sie ist total interessiert an mir und spricht recht gut Englisch. Wir klönen im sonst so stillen Onsen, im extrem heißen und anschließend im kalten Wasser. Sie ist oft in Australien und deshalb sprachlich so fit. Im Anschluss lädt sie Uwe und mich in ihr Haus ein. So sehen wir auch mal ein japanisches Haus von innen. Das zeigt sehr viel Vertrauen und Offenheit.

Darüber hinaus lernen wir noch einen weiteren Japaner kennen. Er parkt mit seinem Ferrari direkt neben unserem Camper und kommt mit Uwe, der sein Auto bewundert, ins Gespräch. Er hat 12 Jahre in Deutschland gelebt und spricht sehr gut Deutsch. Auch ihn besuchen wir zuhause und gehen mit ihm Sushi essen, so dass wir gründlich in diese Kultur eingeführt werden. Er steht einigen Verhaltensweisen der japanischen Wirtschaft kritisch gegenüber und äußert dies auch sehr direkt. Das hätten wir von einem Japaner überhaupt nicht erwartet, da wir immer gehört haben, dass sie so etwas nie im Leben tun würden. Nun ja, Ausnahmen bestätigen die Regel!


Zusammenfassen können wir sagen, dass uns Japan sehr gut gefallen hat. Wir würden gern im Herbst noch einmal wieder hier reisen. Die stark bewaldeten Berge mit ihren Mischwäldern müssen dann wunderschön sein.

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