Island in den Zeiten der Pandemie

Wenngleich das Buch „Liebe in den Zeiten der Cholera“ von Gabriel García Márquez mit Sicherheit unendlich viel mehr Aufmerksamkeit erfahren hat als es mein bescheidener Artikel je haben wird, so gibt es doch - zugegebenermaßen weit hergeholte - Ähnlichkeiten. Die vor vielen Jahren entdeckte große Liebe zu Island sollte in diesem Jahr fast zu einer platonischen Liebe werden, wenn wir nicht allen Mut zusammen genommen hätten und doch gefahren wäre. Allen Widrigkeiten in Form von Quarantäne, Corona-Tests und stornierten Flügen trotzend, machten wir uns in einer kleinen Gruppe Anfang Oktober auf in Richtung Island. Eine Entscheidung, die im Nachhinein nicht hätte besser sein können. Belohnt wurden wir nach all diesen Mühsalen mit den wunderschönsten Orten ohne Touristen und für diese Jahreszeit grandiosem Wetter. Wer war in den letzten Jahren schon einmal am Jökulsárlón Diamond Beach bei schönstem Licht völlig alleine ???? – wir waren es und zwar nicht nur einmal…
Aber der Reihe nach. Mit einem negativen Corona-Test in der Tasche stellten wir uns recht gelassen in der Schlange für den ersten isländischen Test im gespenstisch leeren Keflavik Airport an. Alles war sehr professionell organisiert und klappte recht zügig. Schnell konnten wir die Mietwagen übernehmen – da war natürlich auch nichts los und schon waren wir unterwegs in Richtung Osten. Nach einer Zwischenübernachtung in einem kleinen, tollen Hotel in the middle of nowwhere ging es zu unserem Quarantänehotel, wo wir ganze 5 Nächte blieben. In diesem Hotel, in dem man ansonsten 1-2 Jahre im voraus die Zimmer reservieren muss, hatten wir ein ganzes Gebäude für uns allein und wurden perfekt versorgt. Da wir uns im nahen Umfeld des Hotels auch mit den Autos bewegen durften und nur andere Menschen meiden sollten, war die Quarantänezeit für uns sehr leicht zu ertragen. Apropos Abstand halten von anderen Menschen: wir haben nahezu niemanden gesehen, geschweige denn in unmittelbarer Nähe getroffen. Also dieser Part war mehr als leicht einzuhalten und wir genossen die touristischen Hotspots rund um den Jökulsárlón in vollen Zügen und völlig alleine – ein absoluter Traum! Nach 6 Tagen gab es dann vorschriftsmäßig den zweiten Test in Höfn. Nachdem auch der negativ ausfiel, was wir zwar alle erwartet hatten, aber eine Restunsicherheit besteht irgendwie immer, waren wir „frei“.

Vom Jökulsárlón ging es weiter in Richtung Osten – schließlich war die Umrundung von Island geplant. In einem wunderschönen Hotel in der Nähe von Egilstadir, genossen wir unseren ersten Abend in absoluter Freiheit in einem Hot Tub mit wunderschönem Sonnenuntergang. Natürlich stand eine Wanderung zum Hengifoss auf dem Programm, da aber das Wetter nicht so gut war, disponierten wir kurzfristig um und erfreuten uns an der unglaublichen Farbenvielfalt des herbstlich erstrahlenden Laubs der Bäume. Fotografische Spielereien mit längeren Belichtungszeiten erfreuten uns, nicht ohne schöne Ergebnisse auf den Sensor gebannt zu haben. Dennoch, der Hengifoss musste es sein! Das Wetter besserte sich ein wenig, der Regen hörte langsam auf, aber der Wind war nicht ganz ohne. Wenn man dann mit einer Drohne im Sportmodus fliegt (die Mavic 2 Pro schafft dann immerhin 70km/h), und die Drohne mit 10km/h in die entgegengesetzte Richtung verblasen wird, kann man schon von Wind sprechen… Aber auch der ließ im Laufe des Tages ein wenig nach, so dass wir alle mit der Drohne fliegen konnten.

Über den wunderschönen Studlagil Basaltcanyon, den wir leider nur bei strahlendem Sonnenschein und damit harten Schatten erleben durften, was für schöne Fotos leider nicht geeignet ist, ging es weiter zum Dettifoss, dem größten Wasserfall Europas. Tosende Wassermassen stürzen 44m in die Tiefe und bezaubern das Auge des Betrachters immer wieder. Schon bei Dunkelheit erreichten wir unser nächstes Hotel in der Nähe des Godafoss, wo wir drei Nächte bleiben würden. Wie auch bei den anderen Hotels wurden wir sehr herzlich empfangen und hervorragend bekocht. Wir bekamen zunehmend den Eindruck, als Tourist wieder wertgeschätzt und nicht mehr wie ein Massenprodukt behandelt zu werden. So  schöööön ????. Das Wetter spielte auch hier für isländische Verhältnisse prima mit, wir hatten über die drei Tage extrem wenig Wind und konnten so problemlos mit den Drohnen fliegen und Fotos machen, die man sonst halt nicht machen kann. Da wir überall nahezu komplett alleine waren, störten wir auch niemanden und mussten mit den surrenden Ungeheuern am Himmel absolut kein schlechtes Gewissen haben. Ein besonderes Highlight war dabei das geothermische Gebiet Namafjell Hverir, das mit seinen Fumarolen und farbenfrohen Mud Pots besonders aus der Luft wie ein abstraktes Gemälde aussieht.

Nach drei prall gefüllten Tagen starteten wir extrem früh, da wir spontan unsere Route geändert hatten. Die Hochlandpiste Kjölur (F35) war laut der road.is Seite noch geöffnet und so hatten wir uns entschieden, über diese Piste zu fahren, um in den Süden von Island zu gelangen. Zunächst ging alles ganz gut und zügig. Die Kjölur Piste steht eigentlich im Ruf mit extremem Wellblech die Reisenden zu nerven, aber da in diesem Jahr sehr wenige Menschen auf der Piste unterwegs gewesen waren, war das alles überhaupt kein Problem. Zügig kamen wir voran, aber es wurde immer winterlicher. Glücklicherweise waren wir mit zwei Fahrzeugen unterwegs, denn im Hochland trifft man zu dieser Jahreszeit keinen einzigen Menschen mehr. Das erste Mal richtig gefordert wurden unsere Landcruiser auf der Strecke zum Hveravellir Thermalfeld.  Extrem tiefe Spuren von Superjeeps forderten all unser Fahrkönnen heraus, um nicht im Schnee stecken zu bleiben. So wurden die zusätzlichen 2,4 km bis zum Thermalfeld unser erstes kleines Abenteuer an diesem Tag. Nach einem eisigen Outdoor-Frühstück und ein paar Drohnenflügen, hieß es raus aus den Klamotten und rein in den super heißen Hot Tub. Wie schön…. Nahezu alle folgten meinem Beispiel und im Null komma Nichts war die gesamte Kälte aus unserem Körper vertrieben und es machte sich eine angenehme Wärme breit. So etwas gibt es fast nur in Island!
Das eigentliche Abenteuer des Tages war aber die Fahrt hoch zum Kerlingarfjöll. Von der Abzweigung von der F35 ging es von 580m hoch auf 1000m in eine traumhafte Winterlandschaft. Jetzt mussten die Landcruiser wirklich zeigen, was sie drauf hatten – und ja, man kann es nicht anders sagen, die Karren sind klasse! Wir schafften es bis ganz nach oben. Glücklicherweise gab es eine alte Spur in der Schneedecke, der wir folgen konnten, ansonsten hätten wir die Piste beim besten Willen nicht sehen können.
Am Abend erreichten wir unser kleines tolles Hotel, das wir schon vom Beginn der Reise her kannten und wurden extrem lecker bekocht.

Ganze 4 Nächte blieben wir hier, die wir in vollen Zügen genossen. Ob es die Fahrt zum Maelifell war, die im totalen Nebel endete und daher noch einmal bei strahlemdem Sonnenschein wiederholt werden musste, die Tour durchs Hochland rund um Landmannalaugar mit ihren grandiosen Landschaften, die besonders aus der Luft spektakulär sind, oder die wunderschönen Flussmäander an der Südküste – es war einfach traumhaft, zumal das Wetter nahezu perfekt mitspielte und wir super Bedingungen zum Fliegen mit der Drohne hatten. Der Rekord lag bei 11 leer geflogenen Akkus an einem Tag – was will man mehr?
Zum Abschluss gab es dann wie immer in Keflavik im bekannten Cafe Duus die grandiose Fischplatte, mit der wir eine schöne Reise abschlossen. Die große Liebe zu Island ist damit nicht erloschen, sondern einmal mehr aufgeflammt. Am liebsten würde ich mal ein ganzes Jahr auf Island reisen….


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